Duisburg: Kinosessel unterm Hammer
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 19.08.2009Duisburg (RPO). Ab Oktober wird Duisburgs traditionsreiches Europakino in der Innenstadt zum Treffpunkt für die Besucher der monatlichen Ultraschallpartys. Seit gestern wird das Haus leer geräumt.
John Wayne war da, und Peter Fonda, Robert de Niro und Claudia Cardinale – zumindest waren sie auf der Leinwand des Europapalastes den Duisburgern ganz nahe. Die großen Filmklassiker flimmerten hier über die Leinwand, bis supermoderne Kinocenter das Aus für das eher angestaubte Haus an der Düsseldorfer Straße brachten. Für kurze Zeit sorgte hier dann noch die Comödie für kurzweilige Unterhaltung, doch im vorigen Jahr kam das endgültige Aus.
Gut gekleidet, gut gelaunt
Seit gestern stehen die Türen des Europahauses wieder offen – vorerst aber nur für die Handwerker, die das Inventar heraustragen. Denn in gut sechs Wochen – ab Samstag, 3. Oktober – wird der Europapalast ein Mal im Monat ein Tanztempel sein. Ultraschall-Party ist angesagt und damit das derzeit wohl erfolgreichste Duisburger Event für Menschen über 25 Jahre (bis Mitte 40), die durch gutes Benehmen, gute Kleidung und gute Laune gepflegte Stimmung verbreiten, gesehen werden und zur Housemusik von DJ Eric Smax tanzen wollen.
Flirten und tanzen
Der Europapalast wird weitgehend den Charme behalten, der nach der Renovierung in den 60er/70er Jahren einzog. Manches vom Inventar bleibt darum erhalten.
Ein Kinosaal wird für diejenigen hergerichtet, die "chillen" wollen, also in Ruhe ihr Bierchen trinken, mit anderen reden oder flirten wollen und dabei auf die Wand projizierte Fotos sehen, die während der Partys von den Gästen gemacht werden. Im Kinosaal nebenan wird getanzt, das Foyer ist gleichfalls für die etwas Ruhe suchenden Gäste.
Der Versteigerungstermin für die Möbel, die aus dem Kino ausgebaut werden, ist noch nicht festgesetzt. Wir werden aber rechtzeitig berichten.
Seit fünf Jahren "tourt" Ultraschall durch die Stadt. Im Innenhafen, im Steigenberger Hotel und zuletzt überaus erfolgreich im Forum waren die Partys angesagt, die Besucher aus dem ganzen Ruhrgebiet, vom Niederrhein und sogar vom Rheinland anlocken. Gerade die durch die Ortswechsel sich ergebenden neuen optischen Eindrücke schätzte das Publikum und kam so zahlreich, dass (wie zuletzt im Forum) die Zahl der Abgewiesenen bald größer war als die derjenigen, die die gestrenge Türsteherin Sandra hineinließ.
Auch wenn unter anderem diese Ortswechsel den Erfolg ausmachten, setzen die drei "Macher" der Ultraschallpartys für die nächsten eineineinhalb Jahre auf eine feste Adresse. "Denn Duisburg hat nicht genug unproblematisch zu bespielende Orte. Wir müssen nun eben innerhalb unseres neuen Domizils für spannende Abwechslung sorgen", sagt Martin Menkhaus. Der Werbefachmann der Agentur h2m hat gemeinsam mit Jens Thiem (Innenhafenportal) und DJ Eric Smax die Partyidee entwickelt und zum Erfolg geführt. Die Möglichkeit, ins Europahaus zu gehen, begeisterte das Trio so sehr, dass es die anstehenden Investitionen und die viele Sanierungsarbeit nicht scheut.
Romantik in rot
Die komplette Entrümpelung der beiden Kinosäle und der angrenzenden Nebenräume hat gestern begonnen, dank der Duisburger ARGE. Sie hat 15 ihrer Kunden dorthin geschickt, die bis mittags bereits einen der Säle fast frei geräumt hatten. "Die Leute haben hier Arbeit und werden für weitere Einsätze qualifiziert", so ARGE-Chef Norbert Maul. Überzeugt hatte ihn unter anderem, dass das Mobilar nicht auf dem Müll landet, sondern für einen wohltätigen Zweck versteigert wird. Dass sich beispielsweise für die alten roten Kinosessel Abnehmer finden, daran hat er keinen Zweifel: "Denn die Dsisburger müssten mit dem Kino doch so manche romantische Begebenheit verbinden."
In etwa eineinhalb Jahren wird "Ultraschall" wahrscheinlich wieder ausziehen. Denn bekanntlich soll die Immobilie einem neuen Einkaufszentrum weichen.
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