Duisburg: Klangprobe bestanden
VON MICHAEL TEGETHOFF - zuletzt aktualisiert: 01.05.2007Duisburg (RPO). Mit dem WDR Sinfonieorchester gastierte erstmals ein hochkarätiges Ensemble in der neuen Mercatorhalle. Der Jubel am Ende galt neben den Musikern auch der hervorragenden Akustik.
Bereits eine Woche nach der Eröffnung der neuen Mercatorhalle gab es das erste bemerkenswerte Gastkonzert: Das folkloristische Programm des WDR Sinfonieorchesters Köln präsentierte nicht nur eingängige Kompositionen, sondern ließ zugleich die ausgezeichnete Konzerttauglichkeit der neuen Halle zur Geltung kommen.
Man hätte wirklich glauben können, das Programm mit Werken von Zoltán Kodály, Luciano Berio und Leo Janácek sei einzig dazu ausgewählt worden, um verschiedene akustische Testsituationen zu erproben! Die „Tänze aus Galánta“ von Zoltán Kodály kleiden in unwiderstehlicher Weise ungarische Folklore in ein sinfonisches Gewand. Die Klarinette darf dabei solistisch hervortreten, und immer wieder mündet alles in ein rhythmisch pulsierendes Orchestertutti.
Das WDR Sinfonieorchester musizierte traumhaft, jedes Solo wurde makellos ausformuliert, beim Zusammenspiel blieb eine erstaunliche Transparenz gewahrt.
Der finnische Dirigent Jukka-Pekka Saraste führte sicher, dabei aber geradlinig durch die schwungvolle Komposition, dem Rubatovirtuosen unter den Taktstockkünstlern noch mehr Ohrenkitzel zu entlocken verstehen.
Ganz filigran ging es weiter mit den „Folk songs“ von Luciano Berio. Der vor vier Jahren verstorbene italienische Komponist fasste in diesem Werk Melodien aus sechs verschiedenen Ländern zusammen. War das Orchester auf dem Podium auch in stattlicher Größe angetreten, so war die Zahl der gleichzeitig erklingenden Instrumente stets sparsam gewählt. Die in Argentinien aufgewachsene Mezzosopranistin Bernarda Fink brauchte bei ihrem Vortrag niemals zu forcieren: Ihre Stimme trug, die Sängerin konnte sich ganz der Gestaltung widmen.
Schlicht präsentiert
Die meisten der elf Stücke konnte sie ganz schlicht präsentieren, aber Bernarda Fink verstand auch virtuos zu brillieren, etwa bei dem italienischen „Ballo“. Es sei ergänzt, dass Bernarda Fink sich souverän vielsprachig behauptete, was bei Luciano Berio eine Voraussetzung ist.
Die „Sinfonietta“ von Leo Janácek konfrontierte abschließend nicht nur mit mährischer Folklore, sondern auch mit üppigen Fanfaren. Für die Zuhörer war es ein Erlebnis, wie die Blechbläserfanfaren am Beginn des Stücks an Lautstärke zunahmen, am Ende aber die Streicher überstrahlten, ohne diese zu übertönen. Selbst Klangballungen dröhnten nicht, sondern besaßen die erforderliche tonliche Rundung.
Alles wurde sehr gekonnt vorgetragen, und die Begeisterung der Zuhörer war gerechtfertigt. Lobende Worte gab es aber nicht nur für die Ausführenden, sondern auch für die neue Mercatorhalle, die sich bei diesem Gastkonzert glänzend behauptete.
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