Duisburg: Kneipen jetzt rauchfreie Zone
VON SANDRA KAISER - zuletzt aktualisiert: 01.07.2008Duisburg (RPO). Die sechsmonatige Übergangsfrist ist vorbei. Ab Dienstag gilt das Nichtraucherschutzgesetz NRW auch für die Gastronomie. Duisburgs Wirte hoffen darauf, dass das Bundesverfassungsgericht die Neuregelung noch kippt.
Der Stichtag ist gekommen. Ab Dienstag darf in nordrhein-westfälischen Schank- und Speisewirtschaften nicht mehr geraucht werden. Doch für die Wirte ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Im Laufe des Monats will das Bundesverfassungsgericht eine endgültige Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des Nichtraucherschutzgesetzes fällen.
„Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass vielleicht doch noch alles anders kommt“, sagt Marc Weber, Mitinhaber der Hausbrauerei Webster am Dellplatz.
Er will das Urteil erst einmal abwarten. Bis auf Weiteres können seine Gäste – völlig gesetzeskonform – in einem separaten Nebenraum weiter rauchen. Wenn es bei der gesetzlichen Regelung bleiben sollte, will er die alte Schiebetür, die diesen Raum vom Rest der Kneipe abtrennt, durch eine Glastür ersetzen. „Schließlich sollen die Raucher nicht völlig ab vom Schuss sein. Sie sind schon gestraft genug, wenn sie da hinten sitzen müssen“, sagt er.
Raucherclubs
Nach den Vorstellungen des Dehoga überlässt der Wirt dem eigens gegründeten Raucherclub und dessen Mitgliedern seine Räumlichkeiten, damit „Vereinstreffen“ dort abgehalten werden können. Die bisherige Konzession bleibe davon unberührt. Mitgliedsbeiträge würden nicht fällig. „Unsere Juristen haben das sorgfältig geprüft“, sagt Thomas Kolaric, Geschäftsführer der Dehoga-Kreisgruppe Duisburg. Der Vorschlag entspreche den gesetzlichen Anforderungen.
10.000 bis 15.000 Euro wird Weber diese Umbaumaßnahme kosten. Ursprünglich hatte er vor, komplett rauchfrei zu werden. Doch er hat es sich anders überlegt. „Mehr als die Hälfe meiner Gäste sind Raucher“, argumentiert er. „Wenn die alle ausbleiben, weil sie hier nicht mehr qualmen dürfen, kostet mich das langfristig gesehen noch mehr.“
Mit seinen Plänen gehört Marc Weber zu den großen Ausnahmen in Duisburg. Nur etwa eine Handvoll Gastronomen hatte sich nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Vorfeld überlegt, bauliche Veränderungen vorzunehmen. Weil die Kosten dafür sehr hoch sind. Aber aber auch, weil oftmals aus Platzgründen gar nicht die Möglichkeit besteht, einen Raum als Raucherraum abzutrennen. Dieses Problem haben vor allem die Inhaber der 150 bis 200 Eckkneipen in der Stadt. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als ihre Kneipe zur rauchfreien Zone zu erklären. Da aber bis zu 80 Prozent ihrer Stammgäste Raucher sind, bangen sie nun um ihre Existenz.
„Für den Fall, dass das Bundesverfassungsgericht keine Ausnahme für Einraumbetriebe machen sollte, raten wir den Inhabern, ihre Räume einem Raucherclub zur Verfügung zu stellen“, sagt Thomas Kolaric, Geschäftsführer der Dehoga-Kreisgruppe Duisburg. Diese Lösung sei für sie die einzige Möglichkeit zu überleben.
58 Mitglieder auf der Liste
Das sieht auch Gudrun Matuszak so. Die Wirtin von Haus Ettwig an der Annastraße in Rheinhausen hat einen Raucherclub mit dem klingenden Namen „Mensch. Kultur. Kneipe“ ins Leben gerufen. „Ich haben meine Gäste gefragt und bin auf große Resonanz gestoßen“, erzählt sie. Der Dehoga habe sie beraten und ihr eine Mustersatzung und Aufnahmeformulare zur Verfügung gestellt. 58 Mitglieder stehen mittlerweile schon auf der Liste – qualmende sowie nicht-qualmende Mitbürger. Der erste Vorsitzende ist übrigens Nichtraucher.
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