Duisburg: Knicken wir vor dem Islam ein?
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 10.05.2007Duisburg (RPO). Akzente: Henryk M. Broder las in der überfüllten Zentralbibliothek aus seinem Buch „Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken“. In der Diskussion mit dem Publikum zeigte sich „die Meinungsschleuder“ überraschend konziliant.
Das war ganz sicher keine „normale“ Lesung, als Henryk M. Broder jetzt im Rahmen der „Normal“-Akzente in der überfüllten Zentralbibliothek aus seinem Buch „Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken“ las. Der streitbare Publizist, geboren 1946 in Kattowitz als Sohn von KZ-Überlebenden, lebt seit 1958 in Deutschland und wurde auch schon mal als „Meinungsschleuder“ bezeichnet. Seine Kernthese lautet: die westliche Welt knickt aus Furcht vor beleidigten Reaktionen immer wieder vor dem Islam ein, noch bevor es überhaupt zu Reaktionen kommt. Das bekannteste Beispiel war die präventive Absetzung der Berliner „Idomeneo“-Inszenierung. Er vergleicht diese „Beschwichtigungspolitik“ gar mit dem „Appeasement“ 1938 gegenüber Hitler.
Immer wieder greift Henryk M. Broder zu bewussten Übertreibungen, vertritt Ansichten, die alles andere als politisch korrekt sind. Gerade will man darüber den Kopf schütteln, dass seiner Meinung nach der designierte französische Präsident Sarkozy die randalierenden Jugendlichen in den Vorstädten „vollkommen zu Recht“ als „Gesindel“ bezeichnet hatte oder dass er Oskar Lafontaine mit Osama Bin Laden nicht nur vergleicht, sondern sogar auf eine Stufe stellt – da kommt eine wirkliche witzige Wendung oder ein schlichtes Faktum, mit dem der Autor seine Leser beziehungsweise Zuhörer wieder für sich einnimmt. Differenzieren will er nicht, tut es aber doch. Man solle nicht zwischen Islam und Islamismus unterscheiden, das sei wie zwischen Terror und Terrorismus. Andererseits sei das kein Problem des Islams, sondern des Westens – er selbst habe viele Freunde unter „liberalen und säkularen Moslems“ wie den Wissenschaftler Bassam Tibi. Man nimmt ihm ab, dass es ihm um die Meinungsfreiheit und um eine offene Debatte zwecks demokratischer Meinungsbildung geht. – Bei der Diskussion überraschte er als konzilianter und einfühlsamer Gesprächspartner, der keinen Anspruch auf Patentlösungen erhebt: „Die Aufgabe von uns Journalisten sollte es sein, Fragen zu stellen.“
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