Duisburg: Köhler lud zum Gegenbesuch
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 07.10.2006Duisburg (RPO). Hochstimmung nach dem Besuch des Bundespräsidenten in der kleinen muslimischen Gemeinde in Wanheimerort. Mitarbeiter des Berliner Sicherheitsdienstes vergriff sich gegenüber Journalisten gehörig im Tonfall.
Fastenbrechen
Während des Ramadan, der in diesem Jahr am 23. Oktober endet, fasten zwischen Sonnenauf- und -untergang gläubige Muslime. Zum Fastenbrechen bzw. Iftaressen, das um 19.11 Uhr hätte beginnen können, war der Bundespräsident mit geladenen Gästen eingeladen worden. Mit am Tisch saß unter anderen Weihbischof Franz Vorrath, der in den 70er Jahren katholischer Jugendseelsorger in Duisburg war.
Noch ganz „beseelt“ vom Besuch des Bundespräsidenten Horst Köhler und seiner Ehefrau Eva Luise Köhler zeigte sich gestern Ahmet Ünalan, Sprecher der vergleichsweise kleinen islamischen Gemeinde, die am Abend zuvor Schauplatz eines Medienauftriebs war, den man in Wanheimerort wohl noch niemals zuvor erleben konnte.
„Wir sind froh, dass nichts passiert ist und alles für unsere Gemeinde so gut abgelaufen ist“, sagte Ünalan. Die Unzufriedenheit einiger Pressevertreter kann der studierte Sozialwissenschaftler, der u.a. an der Universität Duisburg-Essen lehrt, gut verstehen. Die Gemeinde habe sich an die Vorgaben des Bundespräsidialamtes halten müssen. Die Kritik der Journalisten richtet sich in der Tat nicht gegen die Gastgeber, die eine unglaubliche logistische Leistung vollbracht hatten.
Räumliche Enge
Schließlich musste die Ayasofya-Gemeinde, die nur rund 150 Mitglieder und entsprechend kleine Räumlichkeiten hat, mit einem Ansturm von rund 50 Fotografen sowie Rundfunk- und Zeitungsredakteuren fertig werden. Aus Sicherheitsgründen mussten sich alle Journalisten mit Personaldaten zuvor anmelden. Sie bekamen nur für den Abend einen „Bundespräsidentenbesuchsausweis“. Der Gebetsraum der Frauen wurde für den Abend in eine „Presselounge“ umfunktioniert. Die räumliche Enge machten die Gemeindemitglieder mit Freundlichkeit wett. Daneben benahmen sich dagegen einige Mitarbeiter aus dem Umfeld des Bundespräsidenten, die das Staatsoberhaupt übereifrig vor Fragen von Rundfunkleuten, die für ihre Reportagen O-Töne wünschten, abschirmten. Ein Mitglied des Sicherheitsteams vergriff sich vollkommen im Tonfall, als er die anwesenden Journalisten wie eine besoffene Truppe von Hooligans ansprach. Schwamm drüber!
Ahmet Ünalan zeigte sich gestern beeindruckt, wie aufmerksam Bundespräsident Köhler den Vertretern der liberalen islamischen Gemeinde zuhörte. Dabei habe besonders das Gespräch mit den Frauen der Gemeinde im Mittelpunkt gestanden. Diese hätten durchaus nicht verschwiegen, dass es in der islamischen Welt Probleme wie zum Beispiel Zwangsehen gibt, dass dieses Islam-Bild jedoch nicht vollständig sei. In der Ayasofya-Gemeinde gebe es Deutsch-Lehrgänge für junge und ältere Frauen, Sportkurse und gegebenenfalls Rechtsberatung.
Persönlich bedankt
Der Bundespräseident sei von den Frauen so beeindruckt gewesen, dass er die ganze Gruppe zu einem Gegenbesuch in Berlin eingeladen habe. Und noch eins freut Achmet Ünalan: Der Bundespräsident, der zweieinhalb Stunden Gast der Gemeinde gewesen war, hat sich noch am späten Abend nach seiner Ankunft in Berlin telefonisch für die guten Gespräche und die Gastfreundschaft persönlich bedankt.
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