Duisburg: "König David" voller emotionaler Wucht
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 30.11.2009Duisburg (RPO). Hut ab vor der Leistung der Salvatorkantorei am Samstagabend. Das Oratorium "König David" ("Le roi David") für Sprecher, Soli, Chor und Orchester von Arthur Honegger (1892-1955) aufzuführen, erfordert immer noch musikalischen Mut, obwohl es sich um eines der populärsten Werke des manchmal etwas spröden Schweizer Komponisten handelt.
Zum Hintergrund: Ursprünglich schrieb Honegger den "König David" 1921 als Schauspielmusik für René Morax und seine Volksbühne "Théâtre du Jorat" in Mézières, 15 Kilometer nordöstlich von Lausanne (wo übrigens auch die Duisburger Philharmoniker vor zwei Jahren gastierten). Die Uraufführung dauerte viereinhalb Stunden, also fasste der Komponist sein Werk in 70 Minuten zusammen, eben als "sinfonischer Psalm". In der dritten und bekanntesten Fassung, uraufgeführt auf Deutsch 1923 in Winterthur und vor allem auf Französisch 1924 in Paris, erweiterte Honegger dann noch die ursprünglich 17 Instrumente, vor allem Bläser und Schlagzeug, zum großen Orchester.
Es geht um Davids biblischen Aufstieg vom einfachen Hirten zum König und Propheten. Das ist eine einfach geniale Mischung aus dramatischen und bildhaften, deutschen und französischen, dissonanten und volkstümlichen Elementen. Insbesondere der Kantorei der Salvatorkirche gebührt ein großes Lob: Obwohl für Laiensänger geschrieben, enthält diese Chorpartie durchaus knifflige Stellen.
Gesamtwirkung grandios
Die emotionale Wucht des Werkes vermittelten neben der Kantorei auch Wolfram Boelzle (Sprecher, bekannt aus Duisburger Familienkonzerten), Tina Scherer (Sopran, hier schon vielfach bewährt), Gudrun Pelker (Mezzosopran und – bei der "Beschwörung der Hexe von Endor" – auch Sprecherin), Michael Pflumm (junger Tenor von der Deutschen Oper am Rhein), Mitglieder der Duisburger Philharmoniker und nicht zuletzt als Dirigent der Salvatorkantor Marcus Strümpe ganz unverstellt.
Schade nur, dass das Ganze ein wenig unter der Kirchenakustik litt – schließlich handelt es sich trotz des geistlichen Themas ursprünglich um eine Bühnenmusik. Balanceprobleme ließen immer wieder die an sich prägnanten Konturen des "König David" verschwimmen. Dichte chromatische Passagen wurden hier fast unkenntlich. Vielleicht war das auch mit ein Grund, warum zum Beispiel die Herren-Fraktion des Chores insgesamt klanglich etwas unterbelichtet erschien.
Die Gesamtwirkung blieb aber grandios.
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