Möbelstadt Duisburg: Krieger will 50 Millionen Euro investieren
VON MIKE MICHEL UND HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 19.02.2011 - 08:31Möbelstadt Duisburg (RPO). Rolf Ostermann und Kurt Krieger haben ein gemeinsames Ziel: Beide wollen im Herbst 2013 ihre Möbelhäuser eröffnen und erläuterten gestern ihre Planungen.
In Witten erweitert Ostermann gerade sein riesiges Hochregallager um weitere 8000 Lagerplätze. "Das machen wir nicht nur wegen Duisburg – aber auch", sagte Firmenchef Rolf Ostermann gestern im Gespräch mit der RP. Schon seit 15 Jahren ist er am Standort Duisburg interessiert, doch diesmal ist er der Verwirklichung näher als je zuvor.
Beste Hoffnung, sein Vorhaben realisieren zu können, hat aber auch Kurt Krieger. Wenige Kilometer weiter in Richtung Süden will er das Güterbahnhofsgelände entwickeln, das einen Kilometer lang ist und an den Seiten durch die A 59 und die Bahngleise begrenzt wird. Mehr Büroimmobilien als im Innenhafen und dazu ein riesiges Möbelhaus der Marke Höffner, alles eingebettet in eine parkähnliche Landschaft mit zwei Anschlüssen an die A 59 (am Hauptbahnhof und in Höhe vom Grunewald) will Krieger bauen lassen, der bereits 50 Millionen Euro allein für die Infrastruktur plant. Rund fünf mal so viel Geld benötigt er, bis die Ideen alle realisiert sind. "Geht alles gut, werden wir im August 2013 eröffnen."
Von einem amerikanischen Logistikkonzern kaufte Ostermann das rund 1250 000 Quadratmeter große Zeus-Gelände, um dort ein viergeschossiges Möbelhaus mit einer Verkaufsfläche von 50 000 Quadratmetern und 1200 Parkplätzen zu errichten. "Das ist in etwa die Größe, die die Kunden heute erwarten. Rund 300 Schlafzimmer, 350 Küchen und 500 Polstermöbel-Programme muss man schon vorhalten." 100 Millionen Euro will Ostermann hier investieren, 300 Vollzeitstellen und 30 Auszubildende sollen hier Arbeit finden. Sein Möbelhaus in Bottrop ist nur wenige Kilometer entfernt, doch: "Selbst der Duisburger fährt nicht nach Bottrop zum Einkaufen. Für den rechtsrheinischen Markt mit Duisburg, Dinslaken und Wesel oder auch für den Markt in Moers und Kamp-Lintfort brauchen wir den Standort Duisburg. Deshalb trifft auch der Verdacht einer Selbstkannibalisierung nicht zu", sagt der Firmenchef. Ostermann hat bisher vier Standorte (Bottrop, Witten, Haan und Recklinghausen) und beschäftigt 1500 Mitarbeiter.
Bereits im Januar stimmte der Rat für einen Aufstellungsbeschluss für das Zeus-Gelände, nachdem ein Gutachten die grundsätzliche Vereinbarkeit zweier Möbelhäuser mit jeweils rund 50 000 Quadratmetern Verkaufsfläche in Duisburg bestätigt hatte. Die nächsten konkreten Schritte sind Gutachten über die Auswirkungen auf den örtlichen Einzelhandel, für ein Verkehrskonzept, die Ökologie und Emissionen.
Auf den Aufstellungsbeschluss muss Krieger hingegen noch warten. Er hofft, dass die städtischen Planungen in zwölf Monaten abgeschlossen sind und er dann weiß, wie teuer sein Vorhaben wirklich wird. Er habe sich keine Schmerzgrenze gesetzt, aber wenn es zu teuer werde, würde er notfalls das Gelände unbebaut liegenlassen.
Unabhängig
"Wir werden die Gutachten ab Montag in Auftrag geben. Anschließend gibt es eine frühzeitige Bürgerbeteiligung. Im optimalen Fall bekommen wir im Herbst 2012 Baurecht und können ein Jahr später eröffnen", so Ostermann. Auch wenn rund 60 Prozent des Sortiments deckungsgleich wären mit einem Höffner-Möbelhaus, will er seine Planungen unabhängig von Krieger treffen. Mehr als 2500 Quadratmeter für Heimtextilien, Haushaltsbedarf oder andere Randsortimente braucht Ostermann nicht: "Dieses Segment belegt Ikea in unmittelbarer Nähe ohnehin in größerem Umfang. Wir verdienen unser Geld nicht mit Töpfen und Pfannen, sondern mit Möbeln."
Kurt Krieger sieht die Stadt auf dem falschen Weg, wenn sie jetzt gleichzeitig zwei Zentren entwickle. Schon mit einem habe sie es schwer genug. Anfangs habe das Planungsdezernat mit ihm nicht einmal geredet, während die Politik offen auf ihn zugegangen sei. Mit dem Planungsamtsleiter Martin Linne und dem bald neuen (kommissarischen) Baudezernenten Greulich (Stadtbaurat Dressler wird in Kürze pensioniert) liefe es wesentlich besser. Dennoch habe er nach wie vor erhebliche Zweifel, dass die Stadt so viele Büroraum benötigt, wie sie sich für das Güterbahnhofsgelände wünsche.
Kein Stein bewegt
Ab der kommenden Woche will Kurt Krieger die Metallgitter auf dem Gelände durch stabile Zäune ersetzen. "Damit sparen wir uns die Kosten für den Sicherheitsdienst, der jetzt hier nach dem Rechten schaut." Bevor nicht alle bau- und planungsrechtlichen Genehmigungen vorliegen, werde er auf dem Grundstück keinen Stein bewegen, also auch nicht die maroden Hallen abreißen. Den Konkurrenten Ostermann fürchtet er nicht. "Wir sind sogar befreundet."
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