Duisburg: Krimi im Haniel-Speicher
VON THOMAS BREMSER - zuletzt aktualisiert: 20.09.2010 - 08:15Duisburg (RPO). Die Wahl-Ruhrorterin Silvia Kaffke stellte im Haniel-Museum ihren zweiten historischen Kriminalroman "Das dunkle Netz der Lügen" vor. Es gab viel Applaus für die versierte Autorin mit ihren Ermittlern Lina und Robert.
Eine illustre Schar potenzieller Krimileser und "Ruhrortbegeisterter" hatte sich auf dem Dachboden, inmitten des historischen Speichers, anlässlich der Buchpremiere "Das dunkle Netz der Lügen" von Silvia Kaffke, im Haniel Museum lauschend versammelt. Umrahmt von allerlei Musik des 19.Jahrhunderts, adaptiert für Flöte (Petra Keßler) und Cello (Mirjam Hardenberg), spielten die engagierten Musikerinnen bei dieser Lesung leider nur eine karge Nebenrolle. Warum hatte man sie nicht in die Lesung eingebunden? Dass Autoren aus ihren eigenen Werken vorlesen, ist üblich, aber gerade die dramaturgische Gemengelage von Musik, auch Geräusch und Rezitation, kann aus einer schon einigermaßen spannenden Lesung eine wirklich aufregende Veranstaltung machen.
Böse Tat in Duisburg
Kommen wir nun zum vorgestellten neuen historischen Kriminalroman von Silvia Kaffke. Der Mord, das Verbrechen, die böse Tat in Duisburg. Das gab es auch schon vor Schimanski und Konsorten? Unvorstellbar! Dachten wir Fernsehgucker doch Jahrzehnte lang, dass Duisburg genau so sei und nicht anders. Aber dass Silvia Kaffke nun den ausgesprochen gelungenen Versuch unternahm, mit ihren prallen, lebendigen und außerordentlich fein gezeichneten Romanfiguren, ein Sittengemälde der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1861) mit Sprache zu zeichnen, macht erstaunt und froh. Ist es doch eine wunderbare Form für den interessierten Leser, sogar an historischer Stätte, nämlich in Duisburg Ruhrort, selbst Ermittlungen des Commissar Robert Borghoff und seiner Frau Lina nachzuvollziehen.
Silvia Kaffke erzählte die schlimmsten menschlichen Verfehlungen in ihrem, bei Rowohlt erschienenen Buch, präzise und sprachlich klar. Ihre Heldin Lina taucht in menschliche Abgründe und die viel beschworene "gute alte Zeit" in Duisburg Ruhrort, ist definitiv nicht nur die "gute alte Zeit". Beklemmend nah kommt uns diese Zeit in Kaffkes facettenreicher Erzählung, inmitten der Industrialisierung. Denn Mord ist Mord und immer abscheulich! Liest man in dem schön gestalteten Einband, mit einer feinen Illustration von Jens Weber und historischen Stadtplänen, folgendes: "Die Einbrüche scheinen mit Linas Modesalon in Verbindung zu stehen, ein Freund wird des Mordes angeklagt, Menschen, die sie gut zu kennen glaubten, verstricken sich in Widersprüche. Ein Netz aus Lügen überzieht die Stadt. Wer ist Freund und wer ist Feind? Lina und Robert ahnen nicht, dass sie auf der Suche nach der Wahrheit den falschen Leuten vertrauen...!"
Viel Applaus für die schon versierte, für Ruhrort kämpfende, schwärmende, sehr sympathisch wirkende, in Duisburg Meiderich geborene Schriftstellerin Silvia Kaffke. Vielleicht findet sich ja auch ein Film-Produzent, der die "Ermittler" Lina und Robert, in sein Herz schließt; zu wünschen wäre es! Übrigens: kaufen und lesen!
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