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Loveparade: Kritik an Auswahl der Beschuldigten

zuletzt aktualisiert: 19.01.2011 - 16:25

Auf Kritik und Unverständnis ist die Entscheidung der Duisburger Staatsanwaltschaft gestoßen, wegen des Loveparade-Unglücks vorerst nicht gegen Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und der Chef des Loveparade-Veranstalters Lopavent, Rainer Schaller zu ermitteln.

Die Staatsanwaltschaft hatte rund ein halbes Jahr nach der folgenschweren Massenpanik mit 21 Toten am Dienstag bekannt gegeben, dass sie gegen 16 Personen Ermittlungsverfahren eingeleitet habe. Zuvor waren mehr als 2.200 Zeugen vernommen und Hunderte Stunden Videoaufzeichnungen ausgewertet worden.

Es sei "sehr bedauerlich", dass die beiden Hauptverantwortlichen von den Ermittlungen ausgeschlossen seien, sagte die Duisburger Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas (SPD). Stattdessen würden nun Mitarbeiter der Stadtverwaltung zur Rechenschaft gezogen, deren Namen in Sitzungsprotokollen auftauchten oder die Unterschriften geleistet hätten. "Die Kleinen kriegt man, und die Großen bleiben sauber", fasste Bas die Stimmung in der Stadt zusammen.

Auch wenn Sauerland vorerst von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen verschont bleibt, sieht die SPD-Politikerin eine politische Verantwortung des Oberbürgermeisters. "Wenn es zu einer Verurteilung eines Mitarbeiters der Stadtverwaltung kommt, muss er als Chef auch die Verantwortung tragen", forderte Bas.

Bei der Massenpanik auf Loveparade in Duisburg waren am 24. Juli vergangenen Jahres 21 Menschen tödlich verletzt worden, als es an einer Rampe zu dem Veranstaltungsgelände zu einer Massenpanik kam. Mehr als 500 Leute erlitten teilweise schwere Verletzungen. Wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung wurde am Dienstag gegen 16 Personen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dabei handelt es sich um Bedienstete der Stadt Duisburg, Mitarbeiter des Veranstalters und Polizeibeamte.

Juristischer Beistand für Mitarbeiter der Stadt

Besonders im Fokus stehen die Bediensteten der Stadt Duisburg. Nach übereinstimmenden Medienberichten sollen der Duisburger Rechtsdezernent, der Stadtentwicklungsdezernent und die stellvertretende Leiterin des Ordnungsamts zu den Beschuldigten gehören. Der Personalratsvorsitzende Rainer Hagenacker wollte am Mittwoch keine Stellungnahme abgeben. Er versicherte lediglich, dass allen Kollegen juristischer Beistand zur Verfügung stehe. "Es steht niemand allein", sagte Hagenacker.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert indessen die Auswahl der Beschuldigten. "Dass auch gegen einen Polizeibeamten ermittelt werden soll, ist überraschend", sagte der stellvertretende GdP-Vorsitzende Arnold Plickert. Zwar lasse sich nicht ausschließen, dass die Polizei Fehler gemacht habe. Für das Chaos bei der Loveparade trage sie allerdings keine Schuld.

"Hauptverantwortlich für den Tod von 21 Menschen sind die Firma Lopavent und die Stadt Duisburg", sagte Plickert. Der Veranstalter habe aus wirtschaftlichen Interessen die Kosten für die Loveparade möglichst niedrig halten wollen und deshalb massiv bei der Sicherheit gespart. "Die Stadt hat ihre Sicherheitsbedenken zurückgestellt, weil sie aus Imagegründen die Loveparade unbedingt haben wollte", sagte Plickert.

Schaller hofft auf schnelle juristische Klärung

Loveparade-Veranstalter Schaller äußerte sich nicht zu seiner Person und sprach sich lediglich für ein rasches Verfahren aus. Er hoffe, "dass die juristische Klärung möglichst schnell vonstattengeht", sagte Schaller. Aus persönlichen Gesprächen wisse er, dass sich gerade die Angehörigen der Opfer eine schnelle Klärung des Unglücks wünschten. Weiterhin werde er bei der Aufklärung helfen. "Die Tragödie von Duisburg ist nach wie vor allgegenwärtig für mich", sagte der Lopavent-Chef.

Direkt nach dem Unglück in Duisburg waren schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung, Veranstalter und Polizei erhoben worden. Die Beteiligten bestritten dabei eine Verantwortung und machten die jeweils anderen Seiten für den Vorfall verantwortlich. Oberbürgermeister Sauerland weigerte sich, von seinem Amt zurückzutreten. Zudem überstand er einen Antrag zu seiner Abwahl im Stadtrat, da die erforderliche Mehrheit nicht zustande kam.

Quelle: apd/csh

 
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