Duisburg: Kritik und Liebeserklärung
VON SONJA BROWATZKI - zuletzt aktualisiert: 20.01.2009Duisburg (RPO). Nicht nur Fans des Filmklassikers "Vom Winde verweht" kamen am Sonntag auf ihre Kosten. Die humoristische Darstellung der Entstehung des Drehbuchs zum Weltroman begeisterte alle Besucher der Glückauf-Halle.
Meisterleistung
"Vom Winde verweht" ("Gone with the Wind") aus dem Jahr 1939 ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Margaret Mitchell, die mit zehn Oscars ausgezeichnet wurde.
Produzent David O. Selznick kaufte die Rechte an dem Roman 1936 kurz vor der Veröffentlichung für 50 000 US-Dollar.
Der Film gilt als einer der bekanntesten Hollywoodfilme der Geschichte. Dies liegt nicht nur an dem kommerziellen Erfolg; er ist auch für seine Zeit eine technische Meisterleistung, unter anderem wegen der Verwendung des damals noch seltenen Technicolor.
Homberg Die Komödie "Mondlicht und Magnolien" von Ron Hutchinson ist beides: Kritik und Liebeserklärung. Der besondere Reiz liegt natürlich darin, dass heute jeder weiß, welch ein Erfolg dieser Film geworden ist. Aussagen über den Umfang des Romans wie "Das Ding ist ja länger als die chinesische Mauer" sorgten im Publikum daher für so manchen Lacher.
Nachdem Produzent David O. Selznick sein letztes Kapital in diesen Film investiert, kommt für ihn kein Flop in Frage. 13 Regisseure und Drehbuchautoren konnten seinen Ansprüchen nicht genügten, Ben Hecht ist seine letzte Hoffnung. Doch ausgerechnet der hat den Roman nicht gelesen und soll innerhalb von sieben Tagen ein komplett neues Skript anfertigen. Die einzige Lösung: Produzent Selznick und der aktuelle Regisseur des Vertrauens, Victor Fleming, spielen Hecht den Roman vor, während dieser die Dialoge mitschreibt und entscheidet, welche Szenen im Film bleiben.
Zuschauen litten mit
Um diesen Arbeitsmarathon zu ermöglichen, immerhin hat das Buch knapp 1000 Seiten, verriegelt Selznick das Büro. Die drei leben von herbeibestellten Kisten voller Bananen und Erdnüsse, denn zu viel Nahrungsaufnahme verlangsamt das Tempo, so das Argument des Produzenten. Nach einer Woche ist das Drehbuch über "die größte Dreiecks-Liebesgeschichte aller Zeiten" zu Papier gebracht.
Das kleine Ensemble von gerade mal vier Personen schafft es, die Zuschauer in der Glückauf-Halle mitleiden zu lassen. "Mit Liebesschnulzen vergeude ich nicht meine Zeit", kanzelt Autor Ben Hecht das Angebot von Selznick zunächst ab. Doch ein ausreichend hoher Geldbetrag erzeugt genügend Motivation, um ihn im Büro zu halten. Nach und nach wird auf der Bühne mehr diskutiert als nur die perfekte Dekolletétiefe für Scarlett O´Hara: Hecht stellt Fragen, die in Hollywood allzu oft auf der Strecke bleiben. Er versucht etwa, den Produzenten auf die Problematik der Rassenfrage aufmerksam zu machen und verlangt, dass die Ohrfeige an einer jungen Sklavin nicht im Film gezeigt wird. "Wenn Sie im Geschäft bleiben wollen, müssen Sie dem Publikum das geben, was es will", antwortet Selznick auf die Frage, was wichtiger sei: Romantreue oder das eigene Gewissen.
Unterhaltung par excellence
Eindrucksvoll zeigt das Stück, wie die Arbeit in Hollywood funktioniert. Die aufwändige Kulisse und die schrulligen Charaktere schaffen in der ausverkauften Halle eine tolle Atmosphäre. Markus Völlenklee gelingt der wirre, völlig ausgelaugte Auftritt als Ben Hecht besonders gut. Nach und nach ist die Bühne immer weiter zugemüllt mit Bananenschalen und Erdnussresten – die Besucher können sich lebhaft vorstellen, wie die Männer eine ganze Woche dort gehaust haben.
"Vom Winde verweht" ist Hollywood-Unterhaltung par excellence – und die Komödie über das schon legendäre Chaos, das sich hinter den Kulissen dieses Filmes abspielte, steht dem in keiner Weise nach.
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