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Duisburg: "Kultur ist die Seele der Stadt"

zuletzt aktualisiert: 31.12.2010

Duisburg (RPO). Der Künstler Markus Lüpertz, dem das Lehmbruck-Museum derzeit eine Ausstellung widmet, kritisierte, dass das Kulturhauptstadtjahr zu wenig Kultur im eigentlichen Sinne geboten habe. Wie sehen Sie das?

Janssen Unsinn! Allein in Duisburg gab es 500 Veranstaltungen mit einer Million Besuchern. Ich habe mit Markus Lüpertz gesprochen. Er meinte nicht die gesamte Kultur, sondern die Sparte Kunst. Das verstehe ich. Die 20 Ruhrkunstmuseen waren voller finanzieller Erwartungen an Ruhr 2010, die nicht erfüllt wurden. In Duisburg war das anders. Mit den drei Kunstmuseen unserer Stadt, dem Lehmbruck Museum, der Küppersmühle und dem DKM Museum spielen wir in der "Kunst Champions League". Ich erinnere an die großartigen Ausstellungen von Alberto Giacometti, Olaf Metzel, Ai Weiwei und Abraham David Christian. Das war ein starkes Stück Kunst aus Duisburg!

Lüpertz kann sich auch nicht mit dem Erweiterungsbau zum Museum Küppersmühle anfreunden. Finden Sie den "schwebenden Schuhkarton" schön?

Janssen Herzog & de Meuron sind Architekten, die weltweit Bewunderer für ihre Bauten anziehen. Die Küppersmühle wird zukünftig, nicht nur wegen ihrer Kunst, sondern auch wegen ihrer Architektur Besucher nach Duisburg locken. Das finde ich schön! Die öffentliche Debatte und die Sorge in der Bürgerschaft um die Finanzierung verstehe ich sehr. Wir reden hier aber über privates Engagement! Der Bau beschert uns keine Kürzungen in anderen wichtigen Lebensfeldern. Der Erweiterungsbau sichert uns für 25 Jahre die großartige Sammlung Ströher; die größte Sammlung zeitgenössischer deutscher Malerei der Nachkriegsgeschichte in Duisburg. Unsere Stadt ist dem Ehepaar Sylvia und Ulrich Ströher zu großem Dank verpflichtet. Markus Lüpertz sollte nicht vergessen, dass er gerade in diesem Haus mit seiner Kunst sehr präsent ist.

Böse Zungen sagen, dass das Kulturhauptstadtjahr dem Orchester auf der Titanic gleicht. Wenn man daran denkt, dass ausgerechnet jetzt im Bereich Kultur gespart werden soll, ist Skepsis verständlich. Wird man Ende des nächsten Jahres noch etwas vom Kulturhauptstadtjahr spüren?

Janssen Mit unserem Leitthema – Duisburg Hafen der Kulturhauptstadt – lagen wir genau richtig. Unsere Ziele für Duisburg waren Identitätsbildung, Nachhaltigkeit, Kooperationskraft und unsere kulturelle Stärke zeigen. Wir wollten keine elitäre Hochkultur, sondern eine Kultur für Alle. Viele sagen, dass uns das gut gelungen ist. Ich wünsche mir, dass sich der Rat der Stadt zusammen mit der Bürgerschaft für den Namen "Hafenstadt Duisburg" ausspricht. Für die Kulturhauptstadt gab es keinen städtischen Euro. Ich setze weiter auf das Duisburger Kraftfeld Wirtschaft und Kultur. Kommunale Kulturpolitik wirkt gemeinschaftsbildend und ist unabdingbar; sie ist ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor. Kommunale Kultur wirkt sinnstiftend, sie gibt den Bürgern der Stadt Orientierung und bietet Orte zur Begegnung und Kommunikation. Kultur ist die Seele der Stadt. Unreflektiertes Sparen kann hier sehr teuer werden! Angesichts der Notlagen vieler Familien in Duisburg stehe ich weiter für den Vorrang der Daseinsfürsorge in unserer Stadt.

Am meisten hat wohl Ruhrort vom Kulturhauptstadtjahr profitiert. Sehen Sie Chancen, dass sich dort nachhaltig etwas zum Positiven verändert?

Janssen Das Herzstück des Kulturhauptstadtjahres war die Local-Hero-Woche, eingebettet in die Duisburger Akzente. Ruhrort ist das Herz unseres Hafens. Es war für uns eine ganz neue Erfahrung einen Stadtteil ins Rampenlicht zu stellen. Das sollten wir zukünftig auch mit anderen Stadtteilen machen. Das Profil von Ruhrort als Hafenstadtteil wurde sichtbar. Es war eine gute Idee, leerstehende Räumlichkeiten in Künstlerquartiere umzuwandeln. Ruhrort hat ein neues Profil als Kreativquartier entwickelt. Diese Geschichte geht weiter! Dank an die Akteure, Künstler und an das Unternehmen Haniel!

Das Duisburger Kulturhauptstadtbüro mit Dr. Söke Dinkla als Leiterin wurde viel gelobt. Nun wird das Büro abgewickelt. Wird damit nicht auch eine Duisburger Kreativitätsschmiede geschlossen?

Janssen Zum Gelingen außergewöhnlicher Ereignisse benötigt man besondere Strukturen. Wir konnten hier nicht aus dem Vollen schöpfen. Das sehr kleine Kulturhauptstadtbüro hat hochengagiert für den Erfolg Ruhr.2010 gekämpft. Die Zusammenarbeit mit dem Festivalbüro der DMG war sehr gut. Allen Dank an die vielen Kulturschaffenden in Duisburg, an alle Mitarbeiter, den Sponsoren und besonders an Söke Dinkla und Frank Jebavy. Wir werden die Struktur in ähnlicher Form für 2012 "500 Jahre Gerhard Mercator" übertragen.

Man kann nicht über das Kulturhautstadtjahr reden, ohne über die Katastrophe bei der Loveparade zu sprechen. Wie denken Sie heute über den 24. Juli und die Folgen?

Janssen Ich bin nachhaltig tief betroffen über dieses schreckliche Unglück. Mein tiefes Mitgefühl, insbesondere zum Jahreswechsel, gilt den Opfern und ihren Familien. Die Veranstaltung gehörte nicht zum Programm "Duisburg Hafen der Kulturhauptstadt". Trotzdem bleibt beides leider mit Duisburg verbunden. Das haben wir in der Abschlussveranstaltung versucht, würdig zu zeigen. Als Verantwortlicher für Jugend und Kultur und auch persönlich war ich kein Befürworter der Loveparade in Duisburg. Losgelöst von dem furchtbaren Unglück, bin ich davon überzeugt, dass der Erfolg einer Stadt in der Identitätsbildung liegt und das Qualität vor Quantität steht. Duisburg ist der falsche Ort für Gigantismus. Die Massenveranstaltung Loveparade hatte nichts mit der Duisburger Identität zu tun, und der Fanatismus in Land und Stadt wurde zur Falle. Auch eine erfolgreiche Loveparade wäre kein Mehrwert für Duisburg gewesen.

Das Interview führte RP-Redakteur Peter Klucken

Quelle: RP

 
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