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Duisburg: Kultur und Bildung sind kein Luxus

zuletzt aktualisiert: 22.12.2009

Duisburg (RPO). Bernhard Quast, renommierter Chorleiter der Freien Kantorei Duisburg und Lehrer an der Niederrheinischen Musik- und Kunstschule, kritisiert die zur Zeit kursierenden "kontraproduktiven" Sparvorschläge.

Info

Offener Brief

18 Chorleiter der Duisburger freien Chöre unterschrieben einen offenen Brief an den Oberbürgermeister und die Vertreter der Parteien im Stadtrat, in dem sie gegen Pläne zur Schließung der Niederrheinischen Musik- und Kunstschule protestieren. Die Musikschule sei ein absolut unverzichtbarer Bestandteil der Stadt, heißt es u.a. in dem Brief.

Der Schock saß tief, als bei den Sparvorschlägen sogar die Niederrheinische Musik- und Kunstschule ins Visier genommen wurde. Bernhard Quast, seit 1976 Lehrer für Klavier, Gesang und Chor an der Niederrheinischen Musikschule (NMKS) und bekannt als Leiter der Freien Kantorei, meldet sich hier zu Wort. Mit Bernhard Quast sprach gestern Redakteur Peter Klucken.

In den vergangenen Wochen geriet ein großer Teil des städtischen Kulturlebens in die Spardiskussion. In der jüngsten Kulturausschuss-Sitzung sprach die Verwaltung in diesem Zusammenhang von "reiner Spekulation". Man soll die Pferde nicht scheu machen, hieß es auch. Warum melden Sie sich jetzt zu Wort?

Quast Es geht darum, die Entscheidung nicht untätig abzuwarten. Vielmehr müssen wir das, was wir vertreten, in der Öffentlichkeit deutlich machen. Deshalb müssen wir die Entscheidungsfindung aus unserer Sicht mitbestimmen.

Wen meinen Sie mit "wir"?

Quast "Wir", das sind zunächst die Musikpädagogen an der NMKS, die Schüler und die Eltern. Mit "wir" meine ich aber auch alle Einrichtungen der Basiskultur.

Könnte das heißen, dass die NMKS, die Volkshochschule, die Stadtbibliothek und vielleicht noch das ein oder andere Kulturzentrum unterstützt werden sollen und die Oper und die Philharmoniker aufgegeben werden?

Quast Um Gottes willen! Das wäre ja so, als ob man im Sport nur die Bezirks- und Regionalliga bestehen lässt und die Bundesliga abschafft. Gerade jetzt beobachte ich, dass immer wieder versucht wird, die verschiedenen Einrichtungen gegeneinander auszuspielen. Man kann die Institutionen mit einer geistig-kulturellen Nahrungskette vergleichen. Fehlt da ein Element, dann bricht die ganze Kette zusammen. Konkret gesagt: Fehlen die Philharmoniker, dann fehlt auch der Basis der kulturelle Anreiz. Man muss sich vor kontraproduktiven Sparvorschlägen hüten.

Bei den Spardiskussionen wird immer wieder gesagt, dass Kultur zu den so genannten "freiwilligen Ausgaben" der Kommune gehören. Wie ist das mit der Freiwilligkeit aus Ihrer Sicht?

Quast Bildung und Kultur sind der wichtigste Rohstoff, über den wir in unserer Gesellschaft verfügen. Der Zugang muss jedem Menschen gesichert sein. Unabhängig von seiner sozialen Herkunft. Bildungsrecht ist Menschenrecht, keineswegs ein Luxus, der in der Tat freiwillig wäre. Man kann viele Produkte anderswo fertigen lassen, Bildung und Kultur müssen da passieren, wo die Menschen leben. "Freiwilligkeit" ist keine Beliebigkeit. Bei dem Projekt "Jedem Kind ein Instrument" wird dieser Ansatz gesehen. Die Chancen für die Fortsetzung, auch über das Schüleralter hinaus, sind die Konsequenz.

Leiten sich von diesen Argumenten Forderungen für die Duisburger Kommunalpolitik ab?

Quast Die in Duisburg vertretenen Parteien haben in ihren Programmen die Notwendigkeit und Richtigkeit der kulturellen Förderung und Existenz allesamt festgeschrieben. Die finanzielle Absicherung von Bildungs- und Kulturaufgaben muss so gestaltet werden, dass sie auch in finanziellen unsicheren Zeiten gesichert bleibt.

Unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird das kulturelle Angebot der Stadt als "weicher Standortfaktor" beschrieben. Sehen Sie als Musiklehrer und Chorleiter, der mit seinen Konzerten Tausende Menschen zusammenbringt, dieses Argument als das schlagkräftigste?

Quast Diesen so genannten "weichen Standortfaktor" sollte man nicht unterschätzen. Darüber hinaus ist das "Wir-Erlebnis", das Kultur ermöglichen kann, in meinen Augen besonders wichtig. Es fördert die Identität mit der Stadt und ihren Bürgern, ob jung, ob alt. Das ist Integration auf höchstem Niveau. Gerade auch an unserer Musikschule in Duisburg, wo junge Menschen mit Migrationshintergrund ganz selbstverständlich mit dabei sind, entsteht dieses "Wir".

Quelle: RP

 
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