Duisburg: Lagerleben als Lebensinhalt
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 06.09.2008Duisburg (RPO). Für einige der Bewohner des Lagers am Johannes-Corputius-Platz ist das Wikingerleben schon fast so etwas wie ein Lebensinhalt. Davon können sich die Besucher des Festes zum Stadtjubiläum das ganze Wochenende überzeugen.
Ralf Althoff, stellvertretender Leiter des Stadhistorischen Museums, ist ziemlich sicher, dass die Wikinger im Herbst 883 nicht zum ersten Mal in Duisburg Station gemacht haben: „Denn sie waren auf der Rückreise von Bonn und Köln in ihre Heimat. Das bedeutet, sie müssen auch auf dem Hinweg hier gewesen sein.“ Doch das ist im Gegensatz zu ihrem Überfall auf „oppidium duisburh“ in keiner Chronik verzeichnet. Woher die Niete aus der Wikinger-Zeit stammt, die auf dem Alten Markt gefunden wurde und auf jeden Fall von einem nordischen Schiff stammt, das weiß er nicht genau. „Vielleicht sind dort die Planken aus defekten Booten verbannt worden und die Niete ist herunter gefallen.“
Auch Svana und Hjalti können ihm da nicht weiterhelfen. Die beiden haben sich den Wikingern derart verschrieben, das sie ihre bürgerlichen Namen gar nicht erst nennen. Wochenende für Wochenende fahren sie zusammen mit Gleichgesinnten zu Festen und Feiern, auf denen sie zeigen, wie die Seefahrer gelebt haben. Bereits am Donnerstag hatten die beiden auf der Wiese am Johannes-Corputius-Platz ihr Lager aufgeschlagen und verbrachten die beiden Nächte in einem der Zelte unter dicken Fellen. „Warm und gemütlich“ sei das, versichert Svana, die sich so kleidet, wie es im frühen Mittelalter wohl die Slawen getan haben.
Für die beiden ist das, was sie auf der Wiese betreiben, schon fast Lebensinhalt. Ganz und gar gehen sie im Wikingerleben auf und teilen mit den Besuchern ihr Wissen. Svana zeigt dann die kleinen Ohrlöffel, metallene Wattestäbchen, oder die Ketten aus Bernstein, den es an Nord- und Ostseestränden damals noch reichlich gab. Vor allen Kinder begeistern sie mit den offenen Feuern, über denen sie in Kupferkesseln ihr Essen brutzeln. Und die Hausfrauen staunen nicht schlecht, wie geschickt Svana mit Bottich und Waschbrett umzugehen weiß. Wer besonders interessiert erscheint, der kann selber mal im Zelt zu testen, dass Felldecken mindestens so warm sein können wie Oberbetten mit Gänsedaunen.
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