Duisburg: Launiger Museumskrimi
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 11.10.2007Duisburg (RPO). Der Lehmbruck-Trakt ist abgedunkelt, vor der Glasscheibe sitzen zwei Männer an einem Tisch, knipsen abwechselnd ihre Leselampe an und lesen aus ihrem gemeinsam verfassten Kriminalroman. Im Atrium lodern zwei Holzstöße, wir nippen an unserem Wein: „Nach allen Regeln der Kunst“ war wirklich keine gewöhnliche Buchvorstellung.
Dies ist wohl der erste Roman, den ein Deutscher und ein Niederländer gemeinsam geschrieben haben. Ganz sicher ist es der erste Krimi, der in acht der insgesamt zehn Museen des „Crossart“-Netzwerkes am Niederrhein und in den Niederlanden spielt. Wie die beiden Schriftsteller in Duisburg berichteten, sprach Jac. Toes bei ihren Arbeitstreffen deutsch und Thomas Hoeps niederländisch, also gerade nicht die jeweilige Muttersprache. Die niederländischen Teile des Romans mussten für die deutsche Ausgabe übersetzt werden – ebenso die deutschen Passagen für die niederländische Ausgabe „Kunst zonder genade“.
Es werden diverse Leichen gefunden in diesem Roman, teilweise übel zugerichtet, eine davon in einer Mordmaschine, die dem „Märchenrelief“ von Jean Tinguely im Duisburger Lehmbruck-Museum nachempfunden wurde. Eine dieser Leichen, die Frau des Direktors vom Venloer Museum Van Bommel van Dam, hatte eine Lack-und-Leder-Affäre mit dem Direktor des Mönchengladbacher Museums Abteiberg – „da braucht der echte Direktor viel Humor, wenn wir das in Venlo vorlesen“, schmunzelte Thomas Hoeps in Duisburg.
Klischees werden aufgehoben
Der künstlerische Serienmörder wird gemeinsam von dem deutschen Restaurator Robert Patati und der Arnheimer Polizeipsychologin und Profilerin Micky Spijker gejagt. Natürlich wird die Gelegenheit für deutsch-niederländische Gegensätze und Gemeinsamkeiten genutzt, natürlich kommen sich die beiden auch privat näher, natürlich verliebt er sich in ihr „fast niedliches Meisjegesicht“.
Doch die Autoren Thomas Hoeps und Jac. Toes rufen Klischees nur auf, um sie in klaren Bildern und spannenden Situationen aufzuheben. Genüsslich spielen sie in ihrem „Crosskill“-Krimi mit den verschiedenen Niveaus der literarischen Verbrecherjagd und mit den Grenzen der zeitgenössischen Kunst, zu der das Buch auch einen neuen Zugang vermitteln will.
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