Duisburg: Leben mit dem Vergessen
VON JULIAN WEIMER - zuletzt aktualisiert: 24.10.2006Duisburg (RPO). Kein Makel, sondern eine Krankheit, die behandelt werden muss: Das Medizinische Netz Rheinhausen und die Alzheimer Gesellschaft Duisburg informierten über Demenz und Alzheimer.
In Duisburg sind etwa 9000 Personen an Demenz erkrankt. Zwei Drittel von ihnen werden zu Hause von Angehörigen betreut und gepflegt. Rheinhauser Ärzte und Apotheker informierten jetzt zusammen mit der Alzheimer Gesellschaft Duisburg e.V. in der Erlöserkirche über die Krankheit. Tipps zur Erkennung von Demenz und zum alltäglichen Umgang damit standen im Mittelpunkt.
„Demenz wird oft hinter einer Fassade versteckt“, erklärte der Neurologe Dr. Lothar Klunk. Der Grund dafür sei einfach: „Man schämt sich“, so Klunk, „aber Demenz ist eine Krankheit, die behandelt werden muss. Nicht ein Makel, der versteckt werden muss“. Oft bildeten Familien jedoch eine Art Bündnis und tun die Erscheinungen als harmlos ab: „Die Oma ist halt ein wenig vergesslich . . .“ Solche Erklärungen sind laut Klunk genau die falsche Reaktion. Selbst die Hausärzte hätten dann Probleme. Gelangen sie zu dem Verdacht, dass ihr Patient an Demenz erkrankt ist, stoßen sie, so Klunk, oft auf eine Mauer: „Man will seinem Patienten nicht weh tun und fragt dann nicht weiter.“
Fataler Fehler
Das Problem zu verstecken, sei allerdings fatal. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser kann eine Behandlung durchgeführt werden. „Eine Heilung gibt es bisher nicht, aber der Verlauf kann verzögert werden“, so Dr. Klunk. „Und wenn man dem Patienten einige Monate Aufschub geben kann, ist das ein großer Gewinn an Lebensqualität“.
In den Alltag eines Demenzkranken könne man sich hineinfühlen, erzählt Dr. Klunk. „Man begegnet auf der Straße einem Menschen und erkennt ihn. Aber man weiß einfach nichts mehr über ihn.“ Wenn diese Person dann noch auf einen zu komme und ein Gespräch beginne, bleibe nur noch verzweifeltes Nachdenken. „Das ist ein Stück des täglichen Lebensgefühls eines Demenzkranken.“
Pflegt man einen Demenzkranken, so sollte man vermeiden, sauer oder bestimmend zu werden. Hilfe freundlich anzubieten, das könne man versuchen. „Anders geht es nicht“, erläuterte der Neurologe.
Hilfe der Alzheimer Gesellschaft
Orla Maria Wunderlich und Bettina Vootz stellten die Angebote der Alzheimer Gesellschaftvor. Neben Gesprächskreisen und Kursen für Angehörige sind das auch Qualifizierungsmaßnahmen für Ehrenamtliche. Diese können dann in den häuslichen Bereich kommen und die Betreuung für kurze Zeit übernehmen, um den Angehörigen etwas Freiraum zu verschaffen. Besonders stolz sind die beiden auf die Betreuungscafés in ganz Duisburg. „Dort kann man sich zusammen mit den Erkrankten wohl fühlen und etwas Entlastung finden“, so Bettina Wunderlich.
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