Duisburg: Lebende Erinnerung an üble Zeiten
VON SONJA BROWATZKI - zuletzt aktualisiert: 22.04.2010Duisburg (RPO). Der Rheinhauser Bruno Mellor hat als junger Mensch den Krieg und die Vertreibung aus Schlesien erlebt. Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben. Mit "Der zügel- und sattellose Ritt in einem üblen Zeitgeschehen" gewährt er Einblick in seine Erfahrungen.
Rheinhausen Eigentlich wollte er Schriftsteller werden, doch das Leben hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt, fast 65 Jahre nach der Vertreibung aus Schlesien, der Zwangsarbeit unter Russen und Polen, erzählt Bruno Mellor seine Geschichte. Eine Geschichte über Heimat, Flucht, Tod und Entbehrungen. "Der zügel- und sattellose Ritt in einem üblen Zeitgeschehen" fasst das zusammen, was Mellor während des Krieges und danach erlebt hat.
Über Jahre hinweg hatte der Hobby-Autor immer mal wieder ein paar Zeilen geschrieben, sie dann doch wieder in der Schublade verschwinden lassen, bis es ihn vor gut neun Monaten packte und er sein Werk noch einmal grundlegend in Angriff nahm.
Leben auf Messers Schneide
"Man kann alles mit hart geleisteter Arbeit erreichen, selbst wenn deine ursprünglichen Ziele auf einem ganz anderen Wege lagen. Es kann nicht immer das Herz siegen, es darf auch bewusst der Verstand sein", schreibt er im Vorwort.
Sein Verstand hat Mellor in jungen Jahren mehr als einmal vor dem sicheren Tod bewahrt. Er beschreibt in seinem Buch, wie er es mit Täuschungsmanövern schaffte, als Zwangsarbeiter nicht getötet zu werden. "Es gab keine Gesetzlichkeiten", erzählt er. "Meine Familie hätte sich nur gewundert, wo ich bleibe und niemand hätte mich je wieder gefunden."
Er erinnert sich noch weiter zurück an seine Schulzeit: Obwohl er 1942 den angebotenen Vorsitz der Hitlerjugend in seiner Schule ablehnte, erwuchsen ihm daraus keine Nachteile. Derjenige, der ihn schließlich ausfüllte, war "der Dümmste der Klasse", so Mellor. "Den triezten sie von da an besonders heftig, bevor er auf die Idee kommen konnte, es umgekehrt zu versuchen."
1994 ist er nach Schlesien zurück gekehrt, um sich sein altes Elternhaus noch einmal anzusehen. Er fand es unbewohnt, die Fenster kaputt, das Dach schon etwas eingefallen. "Es hat mich keine Sekunde gereizt, dort noch einmal eine Bleibe zu schaffen", erinnert sich Mellor an das Gefühl.
Rückkehr in die einstige Heimat
"Es war nicht mehr so wie früher. Auch der Spaziergang durch das Dorf bestätigte diesen Eindruck: Es fehlte das gewisse Etwas, was damals meine Heimat ausmachte." Anschaulich beschreibt er in seinem Werk, was das war und wie er mit dem Verlust der Heimat zurecht gekommen ist.
Von der Idee zum fertigen Werk war es ein schwieriger Weg. "Ursprünglich wollte ich ein Buch von A bis Z schreiben, alles mit aufnehmen, erklären. Doch das ging so nicht", erzählt er. "Darum sind es jetzt Kapitel geworden. Aber damit kann ich auch leben."
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