Duisburg: Leber-OP - so wird ein Tumor entfernt
VON CLEMENS HENLE - zuletzt aktualisiert: 21.10.2010 - 11:18Duisburg (RPO). Im Katholischen Klinikum Duisburg operiert Prof. Dr. Frank Wenger Patienten mit Leberkrebs. Jetzt ließ er Laien an die Instrumente, die ansonsten nur hoch-spezialisierte Fachleute richtig einsetzen können.
Ein jeder kennt die Bilder aus Film und Fernsehen: Ärzte in grünen Kitteln mit Mützen, Mundschutz und Handschuhen stehen um den Operationstisch. Von oben fällt das gleißend-helle Licht einer Lampe auf den Tisch, die Gerätschaften liegen frisch sterilisiert neben dem OP-Tisch. "Schwester, das Skalpell " – heißt es dann im Fernsehen.
Und man mag es kaum glauben. Die Wirklichkeit ist verblüffend ähnlich. Das Katholischen Klinikum Duisburg (KKD) hat eingeladen, Prof. Dr. Frank Wenger bei der Arbeit zuzuschauen und selbst einmal das Skalpell in die Hand zu nehmen. Nun gut, man kann es ja mal versuchen.
Frisch vom Schlachthof
Das Spezialgebiet von Prof. Wenger ist die minimal-invasive Lebermetastasenchirurgie, die er seit August am KKD etabliert hat. Für meine Übungszwecke steht selbstredend nur eine Schweineleber zur Verfügung, die er am Vormittag frisch vom Schlachthof in Meiderich mitgebracht hat. Schweineleber, "weil die in Form und Größe der menschlichen sehr ähnlich ist", erklärte Prof. Frank Wenger. Man muss es ihm blind glauben. Denn wer von uns Laien hat schon mal eine Menschenleber gesehen, geschweige denn vor sich auf dem Tisch?
"Die minimal-invasiven Operationstechniken müssen von Chirurgen lang trainiert werden, bevor sie im OP-Saal damit arbeiten können", erklärt der Herr Professor. Nur vier kleine Schnitte in den Bauch des Patienten reichen aus, um durch die Mini-Öffnungen Geräte und Kamera ins Innere einzuführen.
In der klassischen Chirurgie wird der Oberbauch mit einem 30 Zentimeter langen Schnitt aufgeschnibbelt und die Metastasen am offenen Bauch herausgeschnitten. "Mit der neuen Methode sind die Risiken der Wundheilstörung wesentlich geringer, die Operation schonender und der Krankenhausaufenthalt um bis zu zehn Tage kürzer."
Doch zurück zu meinen amateurhaften Versuchen einer Lebermetastasen-Operation.
Nach dem Überziehen echter grüner OP-Kleidung geht es hinein in den gut klimatisierten und sterilen Operationsaal. Dort, zwischen Beatmungsgeräten mit vielen Schläuchen und einem Tablett mit Zangen und Skalpellen, liegt sie, die Schweinleber, blutrot und frisch.
Prof. Wenger drückte mir eine Haltezange sowie ein pistolenähnliches Gerät, das gleichzeitig das angegriffene Gewebe verödet und abschneidet, in die Hand. Es brutzelt und riecht plötzlich wie zu Hause, wenn Mutter in der Pfanne Leber mit Zwiebeln brät.
Aber sie benutzt keine Greifzange, um den Leberlappen zu fassen und anzuheben, damit man mit der Schneidepistole um das Gewebe herum schnibbeln kann. Wozu auch? Die Leber auf dem Teller ist ja angeblich sehr gesund. Blöder Scherz!
Am OP-Tisch aber müssen die imaginären Metastasen entfernt werden. Eine kniffelige Arbeit, die wohl nur Experten erledigen können. Ich auf jeden Fall nicht. "Man braucht schon etwas Übung, um diese Operation bei geschlossener Bauchdecke am Bildschirm durchzuführen, da man spiegelverkehrt im dreidimensionalen Raum operiert," beruhigt mich der Spezialist.
Ich werde wohl besser Fachmann für Arztserien im Fernsehen. Oder doch lieber Metzger?
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