Duisburg: Lehmbruck bleibt Duisburger
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 12.01.2007Duisburg (RPO). Zwischen der Erbengemeinschaft Lehmbruck und der Stadt zeichnet sich eine Einigung ab: Die Enkel des Künstlers wollen alle Leihgaben komplett dem Museum verkaufen. Die Stadt zahlt fünfmal eine Millionen Euro.
Die Erben
Die beiden Söhne Lehmbrucks hatten jeweils zwei Kinder. Diese vier Künstler-Enkel, die Kinder und Kindeskinder haben, traten jetzt als Bevollmächtigte der Erbengemeinschaft auf. Die Erbengemeinschaft als ganzes hatte Ende 2005 angekündigt, die Leihgaben verkaufen zu wollen.
Die vier Künstler-Enkel setzten sich für einen Verbleib in Duisburg ein.
Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Kulturdezernent Karl Janssen und vor allen Museumsdirektor Prof. Dr. Christoph Brockhaus zeigten sich gestern erfreut und erleichtert darüber, dass die jahrelangen Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft Lehmbruck zu einem, wie die drei einhellig sagten, überaus günstigen Ergebnis geführt haben: Sämtliche Werke Wilhelm Lehmbrucks, die bislang im Duisburger Wilhelm Lehmbruck Museum als Leihgaben präsentiert wurden, werden voraussichtlich noch in diesem Jahr fester Bestand der Museumssammlung werden. Mit den vier Haupterben, die als Verhandlungsführer der Erbengemeinschaft auftraten, sei es zu einer Einigung gekommen.
Über den Verkaufspreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Oberbürgermeister Adolf Sauerland bestätigte gegenüber der RP, dass die Stadt maximal fünf Millionen Euro für den Ankauf der Leihgaben bereitstellen wird, gestreckt auf fünf Jahre. Eine Million Euro seien bereits für das laufende Haushaltsjahr aus dem städtischen Etat für den Ankauf einkalkuliert worden. Die Restsumme, über die man spekulieren kann, teilen sich das Land, der Bund, die Wirtschaft – und die Familie Lehmbruck selber.
Oberbürgermeister Sauerland sagte gegenüber unserer Zeitung, dass man die Chance genutzt habe, mit einer noch überschaubaren Erbengemeinschaft einig zu werden. Jetzt sei es noch möglich gewesen, mit nur vier Familienmitgliedern zu verhandeln. Hätte man die Interessen einer noch größeren Erbenschar (Urenkel usw.) berücksichtigen müssen, dann wäre es wohl unmöglich gewesen, die Leihgaben komplett für Duisburg zu einem annehmbaren Preis zu bekommen. Noch hätten die Enkel Wilhelm Lehmbrucks, die eine besondere Nähe zum Duisburger Museum haben, das Sagen gehabt.
Wie Sauerland so ist auch Kulturdezernent Janssen froh, dass sich nun endlich Rechtssicherheit bei den bislang nur geliehenen Lehmbruck-Werken abzeichnet. Janssen sagte, dass die Lehmbruck-Werke ein nationales Kulturgut seien. Dieses Argument sei auch bei Bund und Land auf offene Ohren gestoßen. Bereits für die nächste Kulturausschuss-Sitzung im Februar möchte Janssen eine Beschlussvorlage ausarbeiten. Endgültig wird der Stadtrat über die Kaufverträge vermutlich im Juni oder Juli abstimmen. Oberbürgermeister Sauerland ist überzeugt davon, dass der Rat zustimmt. Bei den Lehmbruck-Leihgaben, die zum Verkauf anstehen, handelt es sich um 33 Skulpturen (einige davon in verschiedenen Materialfassungen), 18 Gemälde, 150 Grafiken sowie mehr als 1000 (!) Zeichnungen. Bereits jetzt besitzt das Museum 89 Originalskulpturen, sieben Gemälde, 33 Zeichnungen und 35 Druckgrafiken.
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