Duisburg: Lenders wirft das Handtuch
VON SANDRA KAISER UND NILS HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 15.01.2009Duisburg (RPO). Der SPD-Ortsverein Hochemmerich kommt nicht zur Ruhe. Wenige Wochen nach Urgestein Bert Sebes, hat jetzt Ingrid Lenders ihren Parteiaustritt erklärt, nachdem sie bei der Nachwahl um Listenplatz 3 den Kürzeren gezogen hat.
Hochemmerich Ihre Träume sind am Dienstagabend wie eine Seifenblase zerplatzt. Ingrid Lenders (58) hatte so sehr gehofft, bei der Kommunalwahl Anfang Juni für die Bezirksvertretung Rheinhausen kandidieren zu dürfen. Als Rolf Holz dann am 11. Dezember vergangenen Jahres überraschend angekündigt hatte, dass er auf den sicheren Listenplatz 3 der SPD-Bezirksliste verzichtet, sah Lenders, bis dato auf Listenplatz 10, ihre große Chance. Und so warf sie am Dienstagabend bei den Nachwahlen des SPD-Ortsvereins Hochemmerich im Restaurant der Rheinhausen-Halle ihren Hut für den sicheren Listenplatz 3 in den Ring – und hatte das Nachsehen.
Lenders rechnete mit Sieg
Lediglich sechs von 38 Stimmen konnte sie für sich verbuchen. Acht Stimmen entfielen auf Bruno Hensellek. Der große Gewinner des Abends war Ersin Erdal. Bei der Wahl zur Ratsreserveliste hatte er eine schmerzliche Niederlage im Kampf um Platz 5 hinnehmen müssen. Jetzt brachte er sich erneut ins Spiel – und 24 Mitglieder des Ortsvereins stimmten dafür, ihn als Nachfolger von Rolf Holz ins Rennen zu schicken. Ingrid Lenders fackelte nicht lange: Am nächsten Morgen teilte sie dem Ortsvereinsvorsitzenden Dirk Smaczny mit, sie werde aus der Partei austreten.
Krise im Ortsverein
Bert Sebes hat während der Vertreterversammlung des SPD-Unterbezirks am 15. Dezember 2008 seinen Parteiaustritt erklärt. Anlass war die Kampfabstimmung zwischen Petra Weis und Bärbel Bas um die Kandidatur für den Bundestag (wir berichteten).
Bereits vor der Versammlung hatte es Aufruhr im Ortsverein gegeben: Aufgrund eines Formfehlers bei der Ernennung der 13 Wahldelegierten waren diese von der Abstimmung ausgeschlossen worden. Sebes wirft dem Unterbezirk vor, er habe zu spät auf den Fehler hingewiesen. Er hätte noch rechtzeitig korrigiert werden können.
"Ich habe fest damit gerechnet, dass ich gewählt werde. Und dann wäre ein Platz in der Bezirksvertretung so gut wie sicher gewesen. Nach 18 Jahren in der SPD und sechs Jahren im Ortsvereinsvorstand mussten die Mitglieder mir einfach den Rücken stärken. Doch das haben sie nicht getan", sagte eine enttäuschte Ingrid Lenders kurz darauf im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Parteiaustritt sei für sie die einzig logische Konsequenz. Dirk Smaczny bedauerte gestern Lenders' Entscheidung. Er habe noch am Dienstagabend versucht, die 58-Jährige davon abzuhalten – vergebens, berichtet er.
Lenders Weggang ist bereits der zweite prominente Parteiaustritt im Hochemmericher Ortsverein innerhalb kurzer Zeit. Erst im Dezember vergangenen Jahres kündigte SPD-Urgestein Bert Sebes nach 46 Jahren im Vorstand des Ortsvereins den Genossen die Freundschaft. Smaczny hofft nun, dass es "nicht zum Trend wird, aus Enttäuschung darüber, seine persönlichen Ziele in einer Partei nicht erreichen zu können, so einen Radikalschritt zu machen." Er versicherte, dass sich der Vorstand für den Fall, dass Lenders in der Partei geblieben wäre, dafür eingesetzt hätte, dass sie "als sachkundige Bürgerin in einen Ratsausschuss kommt".
Ingrid Lenders möchte sich auch in Zukunft politisch engagieren. Nach eigenen Worten hat sie auch schon "ein Angebot", will sich aber noch nicht festlegen.
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