Duisburg mit Video: LiteraTour durch Ruhrort
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 01.06.2010 - 10:07Wer das Glück hatte, Karten zu ergattern, der erlebte zwei faszinierende Akzente-Veranstaltungen: Eine nächtliche Erzähl-Bootsfahrt durch den Duisburger Hafen und eine dreieinhalbstündige „LiteraTour“ am Nachmittag nach Siliva Kaffkes Ruhrort-Roman „Das rote Licht des Mondes“.
Rolf Köppen ist Berufsfotograf und Besitzer eines kleinen Boots namens Oskar. Bei Sonnenuntergang legt Köppen mit zwölf Passagieren, die draußen sitzen, vom Steiger Schifferbörse ab. Leise tuckernd geht es durch die Hafenbecken, an Orte, wo große Boote nicht manövrieren könnten. Als Nicht-Schiffer sieht man Ruhrort aus einer ganz ungewohnten Perspektive.
Friedrike Schmahl, Schauspielerin, Autorin und Regisseurin, lässt einige Minuten verstreichen, bevor sie mit ihrer schönen, tiefen, fraulichen Stimme die Geschichte einer fiktiven Ruhrorter Familie erzählt, deren Hauptprotagonist ebenfalls Oskar heißt. Geschickt verbindet Friederike Schmahl das Fiktive mit Sachinformationen über Ruhrort. Immer wieder steuert Rolf Köppen mit seinem Boot Orte an, die gerade in der Geschichte der Familie Ossendorf erwähnt werden. Das ist stimmig und stimmungsvoll. Da kann man nur wünschen, dass Rolf Köppen und Friederike Schmahl weitere Erzählbootsfahren im Sommer anbieten.
Krimi-Tour durch Ruhrort
Zunächst war nur geplant, an einigen markanten Plätzen in Ruhrort aus Silvia Kaffkes erfolgreichem Kriminalroman „Das rote Licht des Mondes“ ausgewählte Passagen vorzulesen. Doch dann wurde viel mehr aus der Idee: Bei einer LiteraTour durch Ruhrort wurde jetzt an besonders interessanten Ruhrorter Plätzen eine dramatisierte Fassung des Romans gegeben. Vier vorzügliche Schauspieler schlüpften in insgesamt zwölf verschiedene Rollen.
Auf dem Ruhrorter Friedhof, im Werfthafen, im Kirchgarten, auf dem St. Maximilian-Platz und in einigen Innenräumen, darunter einem Gewölbekeller, wurde „Das rote Licht des Mondes“ gespielt. Für das Konzept und die Textfassung sorgte Autorin Silvia Kaffke selber; Olaf Reifegerste, studierter Theaterwissenschaftler und Akzente-Koordinator, übernahm die Produktion und Inszenierung.
Das wandernde Publikum war einhellig begeistert. Der Inhalt des Romans erschließt sich auch in dieser ungewöhnlichen Präsentationsform. Und nicht nur das: Auch der Spannungsbogen erschlaffte trotz der Spiel- und Gehdauer von fast dreieinhalb Stunden nicht.
Petra Jebavy spielte die Lina Kaufmeister als „vor-emanzipierte“ Frau des 19. Jahrhunderts hautnah, Georg Lennarz gab glaubwürdig den Kommissar (und weitere Rollen), Silke Roca gefiel ebenso als mondäne Dame wie als einfaches Mädchen in großen Nöten. Und Peter G. Dirmeier schaffte es, als Erzähler und Moderator die Handlungsfäden zusammenzuhalten und die LiteraTour-Teilnehmer sicher und gut unterhaltend durch die Ruhrorter Straßen zu leiten. Er verdient ein Sonderlob.
Ein von Haniel engagiertes TV-Team will versuchen, dieses Akzente-Ereignis dauerhaft festzuhalten. Die nächsten Vorstellungen am 3. und 6. Juni, jeweils ab 15 Uhr (Treffpunkt Ruhrorter Friedhof) sind ausverkauft. Karten können nur vergeben werden, wenn es kurzfristig Rückläufer gibt.
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