Duisburg: Lustige Reime statt Vokabeln
VON ANJA STREICHAN - zuletzt aktualisiert: 21.05.2008Duisburg (RPO). Sie stecken noch in den Windeln und können kaum ein Wort deutsch: Doch in einer Sprachschule in Duissern können Babys englisch lernen.
Jonas ist fast ein Jahr alt und hat gerade gelernt zu stehen. Geschickt zieht er sich an den Beinen seiner Mutter hoch und brabbelt begeistert ein paar Laute. Obwohl er noch nicht sprechen kann, nimmt er bereits an einem Englischkursus teil.
So wie seine vier „Klassenkameraden“, Carla, Leo, Jasper und Anna, tobt er durch das kleine Spielzimmer, krabbelt auf allen Vieren auf einen Ball zu und kaut zufrieden darauf herum, während seine Mutter seine Nase, Ohren und Füße berührt und ihm mit Reimen englische Ausdrücke einprägt: „Taptaptap on my baby’s ears.“
Jonas Mutter Kirstin Jensen-Meister leitet einen Sprachkurs für Kinder von drei bis 18 Monaten an der Sprachschule von Britta Schneider-Dahm. Dort werden Kinder bis 14 Jahren nach den Theorien der Sprachwissenschaftlerin Helen Doron erzogen. „Die Ziele meiner Kurses sind, dass sich die Kinder auf spielerische Weise mit dem Klang der englischen Sprache vertraut machen“, erklärt die ehemalige Hochleistungsschwimmerin. Vokabeln und Grammatikregeln müssen die Kleinen aber noch nicht lernen. „Die frühkindliche Sprachförderung wird nach Helen Doron durch Babyzeichensprache, Schaukelspiele, Lieder, Reime und Zählspiele erreicht“, erklärt Kirstin Jensen-Meister den Eltern. „Durch Fingerspiele wird außerdem das Sprachverständnis gefördert und die emotionale und intellektuelle Entwicklung verstärkt“, fügt Britta Schneider-Dahm hinzu.
Ein Gespür für Vokabeln
Vor allem ständige Wiederholung der Kinderlieder, mit denen Vokabeln spielerisch erlernt werden, erhöhen das Verständnis der englischen Sprache. „In diesem Alter können die Kinder jede Sprache muttersprachlich erlernen. Kinder bis zu sieben Jahren entwickeln so ein natürliches Gespür für Grammatikregeln und Vokabeln“, erklärt Britta Schneider-Dahm. Annas Mutter, Maren Faulstich, hält es für besonders wichtig ihr Kind früh an eine andere Sprache zu gewöhnen: „Wir spielen mit dem Gedanken, später nach Australien auszuwandern. Wenn sie die Sprache jetzt schon lernt, wird sie später weniger Probleme haben.“
Auch Thomas Schorff will seiner Carla den Start ins Leben erleichtern. „Ich habe zwar Englisch in der Schule gelernt, aber viel habe ich nicht behalten. Für den Beruf musste ich die Sprache auffrischen. Das will ich meiner Tochter ersparen“, so der 37-Jährige.
Für Menschen, die nach dem Sinn eines solchen Kurses fragen, hat Britta Schneider-Dahm eine passende Antwort: „Ich frage dann immer: Sie sprechen also auch kein Deutsch mit ihrem Baby? Nur weil Babys noch nicht sprechen können, heißt es nicht, dass sie nicht lernen. Verstehen kommt vor dem Sprechen.“
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