Duisburg: Lutz Görner zeichnet witzig-tragische Dichterporträts
VON SONJA BROWATZKI - zuletzt aktualisiert: 13.12.2008Duisburg (RPO). rheinhausen Obwohl Lutz Görner zugibt, dass die von ihm ausgewählten Dichter Wilhelm Busch und Charles Bukowski „auf den ersten Blick nicht in einen Sack gesteckt werden können“, verbindet er Biografie und Werke beider Künstler dennoch meisterhaft in seinem Programm. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wortklang“ lauschten jetzt etwa 80 Gäste den Ausführungen des Rezitators in der Bezirksbibliothek Rheinhausen. In zwei getrennten Themenkomplexen verband und entwirrte Görner gleichermaßen gekonnt Schrifttum und Leben beider Autoren und gewährte Einblick in die zum Teil traurigen Künstlerleben.
Beide ließen sich ziellos treiben
Wenn es nach dem Willen der damaligen Gesellschaft gegangen wäre, hätten weder Busch noch Bukowski heute ihren Nachnamen. „Willi Kleine trifft Karl Fett“, so müsse das Programm eigentlich heißen, denn beiden Dichtern wäre es als uneheliche Söhne ihres später getrauten Elternpaares eigentlich nicht gestattet gewesen, den Familiennamen zu tragen. Witzig und tragisch zeichnet Görner die unterschiedlichen Männer, die beide in ihrer Jugend Probleme mit dem Vater hatten, sich ziellos treiben ließen, um dann neben Gelegenheitsjobs eher zufällig zu schriftstellerischem Erfolg zu finden. „Beide kämpften ein Leben lang mit dem Vorurteil, das aufgrund ihres ersten Erfolges immer an ihnen haften blieb. Doch Busch ist kein Kinderbuchautor und Bukowski kein ständig besoffener Zuhälter“, klärt Görner auf.
Gekonnt vereint der hervorragende Sprecher Biografie und Dichtung aus den unterschiedlichsten Zeitpunkten der Lebensgeschichten, tritt einmal als allwissender Erzähler, im nächsten Moment in der Rolle des Dichters und dann als eine der fiktiven Figuren auf. Busch und Bukowski verband die ständige Unzufriedenheit und eine daraus resultierende Depression. „Eine Krankheit, die Männer laut Krankenkasse ja eigentlich erst seit einigen Jahren überhaupt bekommen können“, scherzt Görner traurig-ironisch über die Schwierigkeiten, diese Art der psychischen Erkrankung anzuerkennen.
Flexibel und akzentuiert
Oft missverstanden und geplagt von persönlichem Unglück, verstarben beide trotz anhaltender gesundheitlicher Probleme aufgrund eines zeitlebens hohen Alkohol- und Zigarettenkonsum erst im Alter von über 70 Jahren. Kurz vor seinem Tod zog Bukowski noch einmal Bilanz in seiner Autobiografie und erkannte: „Die Summe unseres Lebens sind die Stunden, die wir lieben“. Ein Fazit, das auch 14 Jahre nach seinem Tod von der Modernität seiner Ansichten zeugt.
Flexibel und akzentuiert arbeitet Görner ausschließlich mit Mimik, Gestik und Stimmvarianz auf der Bühne. Seine großartige Präsenz und das Spiel mit dem Publikum, machen das über zweistündige Programm zu einem lehrreichen und dennoch kurzweiligen Vergnügen.
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