Duisburg: Mädchen ohne Nerven
VON NILS HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 25.04.2008Duisburg (RPO). Unter Anleitung von Brandbekämpfern der Berufsfeuerwehr Duisburg konnten gestern 24 Schülerinnen in der Homberger Feuerwehrschule Brände löschen und Autos zerschneiden.
homberg Zwei Löschfahrzeuge stehen einsatzbereit auf dem Hof der Berufsfeuerwehrschule. In zwei Gruppen stehen sich je drei Gestalten gegenüber. Sie tragen Helme, Atemmasken und Schutzkleidung und halten mit vereinten Kräften jeweils einen 28 Zentimeter dicken „C-Schlauch“, der in die Wassertanks der roten Lkw mündet. Die Schlauchöffnung zeigt auf einen mannshohen Stapel mit brennenden Holzkisten. Wasser marsch! Aus dem Schlauch schießt das Wasser, 150 Liter in einer Minute, so viel wie eine randvolle Badewanne fasst. Die Flammen sind schnell bezwungen. Am Ende bleibt nur ein rauchender Haufen Asche übrig.
Eine Männerdomäne
Die Brandbekämpfer ziehen sich zurück. Der fünf Kilo wiegende, blaue Flammenschutzanzug hängt schwer auf den schmalen Körpern. Dies können keine ausgewachsenen Männer in der Grundausbildung sein. Jetzt setzen sie ihre Helme und Atemmasken ab. Die zarten Gesichter junger Mädchen kommen zum Vorschein. Es sind Schülerinnen, die am „Girl’s Day“ in typische „Männerberufe“ hineinschnuppern. Die Feuerwehr gehört dazu. „Das ist immer noch eine Männerdomäne“, erklärt Ausbildungsleiter Uwe Schmidt. Derzeit arbeite nur eine Frau in der Leitzentrale der Homberger Berufsfeuerwehr. Eine weitere absolviere ihre Grundausbildung. Dies möchte Uwe Schmidt ändern. Deshalb empfängt er bereits zum zweiten Mal Schülerinnen am Berufsfindungstag für Mädchen.
Ausbildung
Die Grundausbildung zum Berufsfeuerwehrmann/-frau dauert 18 Monate. Bewerben kann sich jeder der mindestens einen Hauptschulabschluss sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann. Körperliche Fitness und mentale Belastbarkeit werden vorausgesetzt. In einer sportlichen Aufnahmeprüfung müssen die Bewerber ihre Kondition unter Beweis stellen. Hinzu kommt ein 45-minütiger theoretischer Test. Die Grundausbildung besteht aus Einsatzübungen, der Ausbildung zum Rettungssanitäter sowie dem Erwerb des LKW-Führerscheins.
Janine Frankiewicz ist mit Begeisterung bei der Sache. „Den Schlauch zu halten war gar nicht so schwer“, sagt die 15-Jährige überrascht. Die 20 Kilo schwere Einsatzmontur hingegen schon. Trotzdem käme für die Zehntklässlerin der Gesamtschule Meiderich der Beruf „Feuerwehrfrau“ in Frage. Wenn es da nicht die Voraussetzung einer technischen Berufsausbildung gäbe. „Das dauert mir einfach zu lange“, sagt Janine.
„Auf eine technische Berufsausbildung legen wir großen Wert“, erläutert Uwe Schmidt. Brände zu löschen habe viel mit Physik und dem Wissen zu tun, wie Feuer entstehe und sich unter bestimmten Bedingungen verhalte. In der 18-monatigen Ausbildung werde dieses Grundwissen zwar vermittelt, aber Bewerber mit technischer Vorbildung hätten es mit dem Verständnis einfacher. „Auf Kraft kommt es dank des technischen Geräts nicht mehr so sehr an“, erklärt Schmidt.
Keine Berührungsängste
Immerhin 15 Kilo hält Nina Picozzi in ihren Händen. Mit der hydraulischen Rettungsschere macht sich die 16-jährige Schülerin des Albert-Einstein-Gymnasiums an der geöffneten Motorhaube eines schrottreifen Ford Fiestas zu schaffen. Mit der Schere nimmt sie nacheinander die Scharniere der Haube in die Zange. Das Rettungsgerät hat leichtes Spiel. 20 Tonnen kann die Schere zerquetschen, mit der eingeklemmte Menschen aus Unfallfahrzeugen befreit werden. Den Mädchentag bei der Feuerwehr findet sie „klasse“. „Als Frau kann ich mir gut vorstellen so etwas später zu machen“, beteuert Nina taff. Berührungsängste habe sie jedenfalls keine.
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