Duisburg: Mafia-Opfer: Begräbnis am Freitag
VON TINA STOCKHAUSEN UND STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 21.08.2007Duisburg (RPO). Die Mordkommission im Polizeipräsidium Duisburg nimmt inzwischen eine komplette Etage in Beschlag. Rund um die Uhr laufen die Drähte heiß. Von anfänglich zwei italienischen Ermittlern hat sich die Zahl auf sieben erhöht.
Mit Beamten des Landeskriminalamts (LKA) und des Bundeskriminalamts (BKA) jagen sie die beiden Killer der sechs Italiener aus dem „Da Bruno“ in Duisburg. Bis gestern erhielten sie 200 Hinweise, noch immer aber fehlt ein konkreter Anhaltspunkt.
Eine Spur führt in die Niederlande. Wilfried Albishausen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter hält ein Abtauchen der Täter in Holland für wahrscheinlich. „Weil Fahndungswege im Inland kürzer sind, entziehen sich die meisten Täter möglichst schnell ins Ausland“, erklärt er.
Der kürzeste Weg von Duisburg führt über die A 57 nach Holland. „In weniger als einer halben Stunde könnten die Mörder bei uns über die Grenze entkommen sein“, sagt Heinz von Baal, Polizeisprecher im Kreis Kleve.
Die Ermittler konzentrieren sich auch auf Holland, weil das Mordopfer Sebastiano Strangio laut Tageszeitung „De Telegraaf“ zehn Jahre in Amsterdam gelebt haben soll. Von seinem Versteck aus habe das 38-jährige ’Ndrangheta-Mitglied eine wichtige Position im Drogenschmuggel erobert. Die Behörden schätzen, dass hunderte Kilo Kokain von ihm und seinen Helfern über die Niederlande nach Italien gebracht wurden.
Derweil gab die Staatsanwaltschaft gestern Morgen die Leichen der Opfer frei. Wie bei jedem Kapitalverbrechen wurden sie obduziert. Die deutschen Beamten hielten sich noch bedeckt, während in Italien von Maschinengewehren als Tatwaffen die Rede ist.
Die Familien der Opfer planen nun die Begräbnisse. Wie unsere Zeitung erfuhr, soll Lehrling Tommaso-Francesco Venturi, der in der Mordnacht seinen 18. Geburtstag feierte, in Mülheim/Ruhr beerdigt werden. Familie und Freunde werden am Freitagvormittag auf dem Hauptfriedhof Abschied nehmen. Wie hoch die Emotionen und Rachegelüste kochen, kann die Polizei noch nicht abschätzen, rechnet aber laut LKA-Chef Wolfgang Gatzke mit „Racheakten auf deutschem Boden“.
Im italienischen San Luca ist die Stimmung bereits erhitzt. Dorthin werden die Leichen von Marco Marmo (25), Geschäftsführer Sebastiano Strangio (38) und Francesco Giorgi (16) überführt. Die Beerdigung soll in dieser Woche sein, aber erst treffen sich heute Sicherheitsexperten. Sie erwägen ein Verbot eines öffentlichen Begräbnisses.
Die Familien rebellieren. „Vorschriften sollen sie für sich machen. Was das Begräbnis angeht, entscheide immer noch ich für meinen Sohn“, sagt Mutter Antonia Marmo. Sie hält daran fest, nichts von den Aktivitäten ihres Sohnes gewusst zu haben. Die Eltern von Francesco dagegen wollen ganz in Weiß, als Zeichen des Friedens, zur Trauerfeier kommen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







