Duisburg: Maske lädt Rocchigiani zum Kampf ein
zuletzt aktualisiert: 27.03.2007 - 13:13Der "Gentleman" war sein sportliches Feindbild, seine Art mochte er auch nie - aber dieser Tage hat ihn Henry Maske wohl beeindruckt: In einem persönlichen Brief hat "Sir Henry" dem derzeit inhaftierten Ex-Weltmeister Graciano Rocchigiani Mut zugesprochen und ihn darüber hinaus eine Einladung zum Fight gegen Virgil Hill in München übermittelt. Er sei gerührt gewesen über Henrys Geste, sagte "Rockys" Freundin Sonia Petuchow.
Doch die Einladung zur Revanche gegen Hill kann der Berliner nicht annehmen, von den Justizbehörden gab es keine Genehmigung. Denn Rocchigiani verbüßt derzeit eine neunmonatige Haftstrafe wegen Körperverletzung und Fahrens unter Alkoholeinfluss. Zweimal hatten sich "Rocky" und Maske 1995 gegenüber gestanden, in Dortmund hatte Rocchigiani seinen Intimfeind am Rande einer Niederlage.
Immerhin durfte der 43-jährige Rocchigiani dieser Tage von der Justizvollzugsanstalt in Bielefeld nach Moers wechseln und kann als Freigänger das neue "Rocky's Gym" in seiner benachbarten Geburtsstadt Duisburg betreuen. "Unser Antrag wurde genehmigt, weil Graciano einen festen Job hat und hier gebraucht wird", sagt seine Lebensgefährtin.
"Zusammen mit meiner Freundin als Geschäftsführerin und meinem Bruder 'Ralle' wollen wir das Gym zu einem Zentrum des Boxens im Ruhrpott machen", sagt Rocchigiani, für den der Wechsel von der Spree an den Rhein vor allem strategische Gründe hat: "In Berlin und Brandenburg gibt es jede Menge Boxzentren. Der Ruhrpott war früher eine Boxhochburg. Leider haben viele Vereine Pleite gemacht. Da muss endlich etwas geschehen. Ich will mit meinem Gym helfen, den weißen Box-Fleck im Pott zu beseitigen. Es besteht dafür großer Bedarf."
Über mangelnden Zuspruch kann der Berliner nicht klagen. "Mir geht es in erster Linie darum, Kinder und Jugendliche für das Boxen zu begeistern. Ich arbeite deshalb eng mit dem Amateursportverband in NRW zusammen. Im Boxen wird die Multikulti-Szene in Zukunft Bestand haben. Wir müssen trotzdem dafür sorgen, dass wieder mehr Deutsche zum Boxen finden. Es darf nicht sein, dass wir bei Olympia und Weltmeisterschaften nur verprügelt werden", sagt der Ex-Champion, der vor allem durch seinen ersten Fight gegen Maske großen Anteil am Boxboom in Deutschland hatte.
Alle Geräte und Einrichtungen für den Wellness-Bereich, Boxraum und Fitness-Studio in dem 700 Quadratmeter großen Gym im Arbeiterbezirk Meiderich finanzierte Rocky aus seinem Privatvermögen. Er kann sich das offenbar leisten, erhält er doch aus den USA noch bis 2014 jährlich rund 300.000 Dollar. Der Ex-Weltmeister hatte eine Klage gegen den Weltverband WBC gewonnen und 4,5 Millionen Dollar als Entschädigung für Verdienstausfälle zugesprochen bekommen.
Für die sportliche Ausbildung der jungen Boxer sorgt neben Rocky auch dessen elf Monate älterer Bruder Ralf, früherer Weltmeister im Cruisergewicht. Natürlich schmiedet Graciano Zukunftspläne: "Neben den Amateuren will ich später auch Profis ausbilden. Mittelfristig denken wir sogar an eigene Veranstaltungen. "
Übrigens: Eine Rückkehr in den Ring kann sich Graciano Rocchigiani auch vorstellen. In einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt (Dienstag-Ausgabe) wiederholte er seinen Vorschlag zu einem Viererturnier mit Maske, Dariusz Michalczewski und einem weiteren Ex-Star. Rocchigiani: "Zehn Millionen in den Topf, fünf Millionen für den Sieger, den Rest durch vier geteilt als Antrittsgeld."
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