Duisburg: Mehr Farbe für Hochfeld
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 17.12.2010Duisburg (RPO). Am 31. Dezember endet offiziell das Kulturhauptstadt-Projekt "2-3 Straßen", bei der 26 kreative Neumieter für frischen Wind und ein besseres Miteinander in einem Problemstadtteil sorgen sollten. Einige bleiben.
Viel ist in diesem Jahr in einigen Häusern an der Saarbrücker- und der St.-Johann-Straße in Hochfeld geschehen. Dort zogen im Januar 26 neue Mieter ein, zwischen 21 und 54 Jahre alt; Künstler, Studenten und Freiberufler. Niemand von ihnen hatte vorher in Duisburg einen Wohnsitz, sie lebten vorher in: Tönisvorst, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Krefeld, Wien, Aschendorf, München, Berlin, Münster, Kremenki (Russland), Weimar, Otsu (Japan), St. Leon-Rot, Moers, Hünxe, Hamburg, Venlo, Gelsenkirchen und Verona (Italien).
Sie alle hatten sich für das Kulturhauptstadtprojekt "2-3 Straßen" des Künstlers Jochen Gerz beworben. Ihre Aufgabe bestand darin, in einem Stadtteil, der – so heißt es im Soziologen-Jargon – "besonderen Erneuerungsbedarf" hat, für frischen Wind und ein besseres Miteinander zu sorgen. Erwartet wurde ferner, dass die Ausgewählten regelmäßig für eine Publikation schreiben. Als Gegenleistung mussten sie in den Wohnungen, die zwischen 40 und 75 Quadratmeter groß sind, keine Miete bezahlen. Gestern zogen Jochen Gerz und seine Mitarbeiterin Sylke Häuser, die in ihrem kleinen Büro an der Saarbrückerstraße 44 Anlaufstelle für alle möglichen "2-3-Straßen"-Fragen war, Bilanz.
Ein deutliches Zeichen dafür, dass diese Aktion "eigentlich so erfolgreich verlief wie erhofft", ist wohl, dass die Beteiligten und Betroffenen traurig sind, dass sie nun endet. "2-3 Straßen" betrifft, wie Jochen Gerz gestern sagte, sowohl die 26 Neumieter als auch Hunderte Altmieter aus dem Stadtteil. Seine Aktion ziele ja nicht auf Dinge, sondern auf die Menschen, sagte Gerz. Da konnten die 26 Neumieter ihre Erfahrungen mit einer zeitlich eingegrenzten neuen Aufgabe als Einzelne, als Gruppe und im Miteinander mit den Altmietern machen. Auf unterschiedliche Weise spiegeln sich diese Erfahrungen in den Texten, die im kommenden Jahr in einem 3000-Seiten-Werk veröffentlicht werden sollen, wider.
Neumieter gaben Nachhilfe
Die 26 Mieter haben sich aber nicht nur schreibend für das ungewöhnliche Kulturhauptstadt-Projekt engagiert. Einige gaben Deutsch-, Physik- und Mathekurse oder bauten eine Schach-Arbeitsgemeinschaft an einer Hochfelder Grundschule auf. Andere legten zusammen mit Altmietern einen "Heimatgarten" im Innenhof an. An schönen Sommerabenden gab es Freiluftkino auf dem Hinterhof. Es wurde gegrillt oder man lud die deutschen und nicht-deutschen Hochfelder ein, für eine Gedichtvitrine in ihre Muttersprache zu schreiben. Ein Höhepunkt der öffentlichen Aktivitäten war wohl das Konzert mit Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker, die bei geöffneten Fenstern im Haus an der St.-Johann-Straße musizierten. Ein privater Höhepunkt war die Hochzeit zweier Neumieter, der gebürtigen Russin Anastasia Prokopschuk und des Deutschen Robert Michaelis.
Und Jochen Gerz freut sich, dass sechs von den 26 Neumietern dauerhaft in ihren Hochfelder Wohnungen bleiben möchten, um weiterhin für mehr Farbe im Stadtteil zu sorgen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







