Duisburg: Mehr Verantwortung, weniger Gewalt
VON SINA ZEHRFELD - zuletzt aktualisiert: 23.06.2009Duisburg (RPO). Rheinhausen Jugendliche erleben Attacken im Internet. Vielleicht haben sie Erfahrungen mit körperlicher Gewalt, ganz bestimmt waren sie schon in brenzligen Situationen. Und sie haben eigene Vorstellungen davon, wie man darauf "richtig" reagiert – was man tut und was nicht. "Es kommt in den Klassen zunehmend häufiger zu pädagogisch sehr schwierig zu handhabenden Situationen", sagt Ulrich Heuck, Leiter der Willi-Fährmann-Realschule.
Morgen starten an der Schule Gewalt-Präventionstage für die Jahrgangsstufe sechs. Bis Freitag werden sich die Schüler mit der Frage auseinandersetzen, was Gewalt eigentlich ist, werden Beobachtungen auf dem Schulhof anstellen, die Bedeutung von "Spielregeln" in der Gesellschaft diskutieren und ein "Coolness-Training" absolvieren.
Die Finanzierung der Aktion unterstützen Jugendamt und der Verein "Inner Wheel Club". Sie läuft unter dem Dach des Duisburg-weiten Gewalt-Präventions-Projektes "Duisburg schlägt keiner", in dessen Rahmen seit 2007 in erster Linie Lehrer zu "Konfliktmanagern" fortgebildet werden.
Beim Coolness-Training stehen nun die Schüler im Mittelpunkt. "Es geht uns um eine veränderte Haltung. Wir wollen ein Unrechtsbewusstsein erzeugen. Es muss klar sein, dass Schlagen absolut nicht geht", erklärt Uwe Bauer, Anti-Aggressivitäts-Trainer vom Jugendamt. Eine zentrale Botschaft dabei lautet: Wer zuschlägt, hat sich dazu entschieden und ist dafür verantwortlich – eine Provokation ist keine Entschuldigung.
Aber: Es gibt Methoden, Angriffe zu meistern – zum Beispiel, auf Beleidigungen zu reagieren. "Es geht darum, Alternativen zu erarbeiten: Wie komme ich gut und ohne Gesichtsverlust aus so einer Sache raus?", erläutert Bauer.
Simple Tipps – etwa den Rat, Beleidigungen zu ignorieren – seien aus Sicht der Schüler nämlich nicht unbedingt eine Lösung. "Wir müssen die Kinder da abholen, wo sie stehen", betont Schulleiter Ulrich Heuck. "Die Situation, in der unsere Schüler leben, erschließt sich vielen Erwachsenen gar nicht mehr."
Die Projekttage an der Willi-Fährmann-Realschule könnten für andere Schulen vorbildhaft sein, hofft Jugendamtsleiter Thomas Krützberg. Rückmeldungen über ähnliche Gewaltpräventionsansätze an anderen Schulen seien überaus positiv. "Nicht, weil wir eine besonders gewaltbereite Stadt sind, sondern weil wir es nicht werden wollen, legen wir Wert auf Prävention", betont er.
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