Duisburg: „Mein Gott, ist das schön!“
VON CHRISTINA HÖTZEL - zuletzt aktualisiert: 04.10.2008Duisburg (RPO). Die Merkez Moschee an der Marxloher Warbruckstraße, die Ende des Monats eingeweiht werden soll, wurde gestern beim Tag der offenen Moscheen besonders gut besucht. Die Resonanz war durchweg positiv.
Bevor die Führung losgeht, laufen die Besucher um die Merkez Moschee an der Warbruckstraße, deuten auf Details, machen Fotos, filmen. Im Innenraum ziehen sie bereitwillig ihre Schuhe aus und gehen über den flauschigen, beheizten Teppich. Viele hauchen sich erstaunt ein „Mein Gott, ist das schön!“ zu. Die Gäste beim gestrigen „Tag der offenen Moscheen“ bewundern die handgemalten Kacheln, den riesigen goldfarbenen, 600 Kilo schweren Kronleuchter aus Messing, die Wandbilder.
„In den Moscheen gibt es keine Abbildungen von Lebewesen, nur Pflanzenornamente. Wie sie sehen, sind diese unendlich. Das drückt die Ewigkeit Gottes aus“, erklärt Sabrina Vorberg. Als Farben herrschen Rot- und Blautöne, Grün, Gold und Weiß vor. „Es gibt keine typischen Farben. Viele Gebetshäuser sind bekannten Moscheen nachempfunden. Hier wurde etwas Eigenes kreiert. Alles ist offen und hell“.
Straßensperrung Auch Begegnungsstätte
Beim Einsatz der SEK-Einheit musste nach Angaben mehrerer Anwohner die Heiligenbaumstraße an der Ecke zur Ehinger Straße und Atroper Straße gesperrt werden. „Ich hab mich gefragt, was los ist.Soviel Polizei habe ich noch nie gesehen. Das war schon fast wie beim Tatort im Fernsehen“, berichtet Corinna König.
Der „Tag der offenen Moscheen“ wurde von vielen Interessierten genutzt. Die offizielle Eröffnung der neuen Moschee in Marxloh findet am 26. Oktober statt. Zur Moschee gehört auch eine Ditib Bildungs- und Begegnungsstätte mit Restaurant. 7,5 Millionen Euro hat der Bau gekostet.
Um kein unnötiges Aufsehen zu erregen, habe die Gemeinde sich bei der Höhe des Minaretts zurückgehalten. Es ist nur 34 Meter hoch, die Kuppel der Moschee 23 Meter. Der Muezzinruf findet innerhalb der Kirche statt. Etwa 1200 Besucher haben in dem 2500 Quadratmeter großen Bauwerk Platz.
„Beten Frauen und Männer getrennt?“, war eine häufig gestellte Frage der nicht-muslimischen Besucher. „Ja, die Frauen befinden sich auf der Empore. Das hat aber durchaus praktische Gründe. Beim Knien und Verbeugen sieht der Betende nun einmal sehr stark die Silhouette des Vordermanns, die könnte vom Gebet ablenken“, so Sabrina Vorberg augenzwinkernd. Seit einer Woche betet die Gemeinde hier, bis jetzt in Arabisch und Türkisch. Da viele junge Menschen aber gar nicht mehr über das Vokabular verfügen würden, gibt es bald Gebete in Deutsch.
„Absolut nicht kitschig, traumhaft“, sagt Heinz Achterfeld. Er sieht die Moschee als Treffpunkt der verschiedenen Religionen. „Ich kann hier selbst gut beten, obwohl ich katholisch erzogen bin. Die Gemeinde gibt es seit 24 Jahren. Die Mitglieder haben immer mit Deutschen zusammengelebt. Man trifft sich, besucht sich“, erklärt die Islamwissenschaftsstudentin Vorberg. Die Reaktionen sind durchweg positiv. „Wunderschön! Ich bin überwältigt. Marxloh und die Gläubigen haben den Bau verdient“, meint Brigitte Wickop.
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