Duisburg: Mit Banane ausgezeichnet
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 08.04.2009Duisburg (RPO). Gestern sprühte der aus Rheinberg stammende Künstler Thomas Baumgärtel sein Markenzeichen neben den Haupteingang des Museums Küppersmühle. Der Bananensprayer zeichnet damit das MKM als Kunstort aus.
Früher bekam Thomas Baumgärtel gelegentlich Ärger mit der Polizei, wenn er eines seiner Bananenbilder an eine Fassade sprühte. Da gab es schon mal vorübergehende Festnahmen und viele Anzeigen. In München musste der 1960 in Rheinberg geborene Künstler sogar mal eine Nacht im Knast verbringen, wie er gestern – vergnüglich rückblickend – im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst erzählte. Unmittelbarer Anlass für seinen Duisburger Besuch war natürlich eine Bananen-Sprayaktion.
Vor sechs Jahren hatte Baumgärtel, bei Nacht und Nebel, eine Banane auf eine zum Museum gehörende Mauer gesprüht; eigentlich illegal, im Nachhinein jedoch geduldet. Gestern nun war die Sache ganz anders: Thomas Baumgärtel sprühte im Einverständnis mit Museumsdirektor Walter Smerling neben dem Haupteingang des MKM sein Markenzeichen. Baumgärtel, inzwischen international bekannt und erfolgreich, möchte mit seinen Bananenbildern herausragende Kunstorte auszeichnen.
cubus-Ausstellung
Bislang gehört Thomas Baumgärtels Ruhrgebietsaktion noch nicht zum offiziellen Kulturhauptstadtprogramm Ruhr.2010, was der Künstler gestern beanstandete. Die Duisburger cubus-Kunsthalle plant eine Einzelausstellung über das Werk von Thomas Baumgärtel vom 22.Januar bis zum 14. März 2010.
Wie ein Michelin-Stern
Walter Smerling sah es denn auch als Ehre an, dass Baumgärtel, der weltweit an mehr als 4000 Orten als Bananensprayer gewirkt hat, das Museum offiziell mit seinem Markenzeichen krönt. Gewissermaßen ist das vieldeutige Fruchtsignet mit einem Michelin-Stern vergleichbar. Allerdings vergebe er stets nur eine einzige Banane, sagte Baumgärtel gestern, nicht ohne zu schmunzeln.
Die gestrige Aktion am Museum Küppersmühle gehört zur aktuellen Ruhrgebietstour des Bananensprayers. Baumgärtel möchte die interessantesten Kunstorte des Ruhrgebiets "markieren" und in einem Buch veröffentlichen, das Ende des Jahres im Essener Klartext-Verlag erscheinen soll. Bislang hat Baumgärtel 54 Bananen im Ruhrgebiet vergeben. Auch in Duisburg war Baumgärtel schon mit Schablonen und Sprühfarbe tätig: im Lehmbruck-Museum, in der cubus-Kunsthalle und an der Galerie Hellebrand am Philosophenweg 12. Baumgärtels Paradestück findet man allerdings in Ruhrort: Das Geschäftshaus des Malermeisters und Kunstsammlers Dieter Siegel an der Karlstraße 28 hat Baumgärtel im Jahr 2001 zu einem einzigartigen Bananenhaus umgestaltet. Klar, dass Dieter Siegel gestern zur jüngsten Sprayaktion in die Küppersmühle kam.
Das ganze Leben – Banane?!
Die Frage, was er selber mit dem Bananen-Motiv verbindet, mochte Baumgärtel nicht beantworten. Er möchte vielmehr, dass die Betrachter ihren eigenen Assoziationen folgen. Die einen mögen darin nur die Frucht als solche sehen, die anderen ein phallisches Fruchtbarkeitssymbol, die dritten erfreuen sich an der goldenen-schwarzen Farbkombination. An eine Wand sprühte Baumgärtel den Spruch: "Das ganze Leben ist ..." Und an Stelle der drei Punkte malte er eine Banane. Die einen ergänzen den Satz mit dem Wort "Kunst", die andern mit "Banane".
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