Duisburg: Mit Goethe in China
zuletzt aktualisiert: 30.12.2010Duisburg (RPO). interview Das persönliche Highlight des Jahres 2010 war für Bibliotheksdirektor Dr. Jan-Pieter Barbian seine Reise mit dem Goethe-Institut in Duisburgs Partnerstadt Wuhan sowie nach Beijing und Shanghai. Er lernte vorbildliche Bibliotheken, aber auch Zensur kennen.
Der Duisburger Bibliotheksdirektor Dr. Jan-Pieter Barbian denkt gerne an seine Reise nach China zurück, die er auf Einladung des Goethe-Instituts im vergangenen Herbst unternehmen konnte. Über sein "dienstlich-persönliches Highlight" des Jahres 2010 befragte ihn Redakteur Peter Klucken.
Wie kam es, dass Sie als Duisburger Bibliotheksdirektor nach China reisten?
Barbian Für die Jahre 2007 bis 2010 hat das Auswärtige Amt das Programm "Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung" aufgelegt. Es sollte das gegenseitige Verstehen beider Länder fördern und das Bild Deutschlands als einer zukunftsorientierten, innovativen Nation in der Volksrepublik vermitteln. Das Programm sah auch einen stärkeren kulturellen Austausch vor, den das Goethe-Institut in China organisierte. Konkret hat mich Monika Williams, die Leiterin des Bereichs "Information und Bibliothek" des Goethe-Instituts Beijing eingeladen, Bibliotheken in Beijing, Wuhan und Shanghai zu besuchen.
Konnten Sie in China Gespräche führen oder war es mehr ein Besichtigungsprogramm?
Barbian An allen drei Orten habe ich Gespräche mit Fachkollegen geführt und Vorträge zum Engagement der Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland für die "Kulturelle Bildung" von Kindern und Jugendlichen gehalten. Auf diesem Gebiet genießt die Stadtbibliothek Duisburg einen bundesweit guten Ruf und die seit 1982 bestehende Städtepartnerschaft mit Wuhan bot einen weiteren wichtigen Anknüpfungspunkt für meine Begegnung mit China.
Wer waren Ihre Ansprechpartner in China?
Barbian In Beijing konnte ich Gespräche mit Bibliothekaren in der National Library of China und in der Capital Library of China führen. Die Nationalbibliothek verfügt in ihrem 2008 bezogenen Neubau seit Mai dieses Jahres über eine eigene Kinderbibliothek. Da dies für eine wissenschaftliche Bibliothek eher ungewöhnlich ist, waren die Kollegen sehr an den Konzepten interessiert, mit denen wir in Duisburg Sprach- und Leseförderung bei Kindern aktiv vorantreiben. Die Kollegen von der öffentlichen Hauptstadtbibliothek in Beijing ebenso wie die von der Kinderbibliothek in Shanghai wollten vor allem wissen, mit welchen Medien und Veranstaltungen man Jugendliche am besten in die Bibliotheken locken kann.
Ist es in China denn schwieriger als hierzulande, Kinder zum Besuch einer Bibliothek zu motivieren?
Barbian Das ist in China insofern ein Problem, als die Ganztagsschulen die Schüler bis in den späten Nachmittag binden und ihnen daher nur wenig Zeit für den Besuch der Bibliotheken bleibt. Diese Fragen waren auch in der Kinderbibliothek Wuhan Thema. Aber dessen Direktor Chen Fangquan freute sich vor allem darüber, dass der Austausch zwischen unseren beiden Einrichtungen in 2010 intensiviert werden konnte. Im Frühjahr konnten wir in Duisburg 40 prämierte Arbeiten eines Kalligrafie- und Malwettbewerbs für Kinder und Jugendliche zeigen und dazu auch drei Bibliothekare aus Wuhan begrüßen. Jetzt war es möglich, eine Ausstellung mit Fotos unserer hochkarätigen Sammlung "Historische und Schöne Bücher" in Wuhan zu präsentieren.
Welchen Eindruck haben Sie bei Ihrem Besuch vom chinesischen Bibliothekswesen gewonnen?
Barbian Die chinesischen Politiker in der Hauptstadt ebenso wie in der Provinz wissen, wie wichtig Bildung für die aufstrebende Wirtschafts- und Weltmacht ist. Die Bibliotheken werden als Bestandteil des nationalen Bildungsprogramms massiv gefördert. Sie verfügen über moderne Gebäude, eine innovative IT-Infrastruktur, hohe Etats für die Anschaffung von Medien und eine optimale Personalausstattung. Der Fortschritt ist noch nicht überall angekommen. Aber auch die Bibliotheken in China befinden sich auf dem Weg in eine große Zukunft. Das gilt zumindest für die Großstädte, deren Einwohnerzahlen ja unermesslich sind. Allein die drei von mir besuchten Städte beheimaten über 51 Millionen Menschen.
Welche Menschen gehen in China in eine öffentliche Bibliothek? Gibt es Einschränkungen oder eine Zensur?
Barbian Alle Öffentlichen Bibliotheken in China können kostenlos und von jedem benutzt werden. Die Besuchs- und Benutzerzahlen sind daher gigantisch. Die Freiheit des Zugangs zu Informationen ist allerdings erheblich eingeschränkt. Dies gilt sowohl für das Internet, das einer strengen Zensur unterliegt, als auch für den Zugang zu Büchern, Zeitungen und Zeitschriften aus dem demokratischen Ausland. Die sind allenfalls in der Nationalbibliothek in Beijing einsehbar, wobei die fehlende Kenntnis der Fremdsprachen oder das Fehlen von Übersetzungen ins Chinesische ohnehin Grenzen bilden.
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