Duisburg: Mordprozess: Warum musste Oma "Minchen" sterben?
VON BIRGIT LAMEYER - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 17:53Wegen Mordes muss sich seit Donnerstag ein 22-jähriger Mann aus Duisburg vor dem Landgericht verantworten. Im Juli vergangenen Jahres soll er eine 79-jährige Rentnerin in ihrer Wohnung erwürgt haben.
Die 71-Jährige (Wilhelmine P.) hatte den ihr zuvor unbekannten Mann immer wieder in ihre Wohnung gelassen, ihm zu Essen gegeben und ihm zugehört. An einem Nachmittag soll er sie dann erst mit den Händen, dann mit einem Stoffband erwürgt haben.
Zu den Vorwürfen wollte der zurückhaltend wirkende, schlanke junge Mann sich zum Prozessauftakt allerdings nicht äußern. Zuvor hatte er die Tat bei der Polizei gestanden. Ein Polizeibeamter sagte aus, er habe den Nachmittag und die darauffolgenden Tage detailliert geschildert. Demnach habe die Frau ihn erwischt, als er eine Schmuckschatulle aus dem Wohnzimmerschrank entwendete und sie in seinen Rucksack steckte.
Mutter im Zeugenstand
„Es passt nicht zu ihm”, sagte die Mutter des jungen Mannes im Zeugenstand aus. „Mein Sohn war immer ein lieber, guter Junge”. Das sei jedenfalls bis zum 15. Lebensjahr so gewesen. Nie habe er ihr Sorgen gemacht, dann aber habe er „Gras” geraucht, sei immer fauler geworden und habe die Schule nicht beendet. Als sie von den Vorwürfen erfahren habe, sei sie schockiert gewesen.
Weil sie die Polizei rufen wollte, habe er sie erst an den Handgelenken gepackt und dann auf dem Sofa gewürgt. Später hatte er die Frau ins Schlafzimmer gezerrt und mit dem Band einer Stoffschürze stranguliert. Mit Wertsachen und dem Schlüssel der Frau war er geflohen. Schon zwei Tage später kehrte er zurück, um weitere Beute zu suchen.
Er habe auch darüber nachgedacht, die Wohnung in Brand zu setzen. Damit habe er die Spuren verwischen wollen. Aus Angst, Mitbewohner könnten zu Schaden kommen, habe er sich aber anders besonnen. Auch mehrere Nachbarn kamen gestern zu Wort: Einen jungen Mann mit Rucksack, der „etwa 15 bis 20 Jahre alt”, ein „Schülertyp” und „gepflegt” gewesen sei hatte ein Bewohner des Hauses am Tattag beobachtet. Der habe geklingelt und sei dann in der Wohnung des späteren Opfers verschwunden. Bei dem Besuch habe er sich nichts gedacht. Ob es der Angeklagte gewesen sei, könne er nicht sagen. Eine weitere Nachbarin hatte einen jungen Mann an einem anderen Tag vor der Türe gesehen, auch sie erkenne ihn nicht wieder.
Briefkasten quoll über
Die Verstorbene sei „ruhig, bescheiden und sehr lieb” gewesen, schilderte sie. Sie habe gewusst, dass der Angeklagte hin und wieder bei ihr esse oder sich mit der alten Frau unterhalte. Das sei der Rentnerin aber gar nicht immer recht gewesen. Ihr war einige Tage später aufgefallen, dass der Briefkasten der Rentnerin überquoll. Der Notarzt war kurz darauf in die Wohnung gekommen. Feuerwehrleute hatten zuvor die Tür geöffnet und ihn verständigt. Die Frau habe er auf dem Boden des Schlafzimmers liegend vorgefunden. Erst nach Beginn der Untersuchung habe er „eine Kordel mit doppeltem Knoten” um ihren Hals gesehen und die Polizei gerufen. Der Prozess wird am komme
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