Duisburg: Moschee-Krach in Marxloh
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 17.11.2009 - 17:49Duisburg (RPO). Am vergangenen Wochenende wurde der Pressesprecher seines Amtes enthoben; gestern erklärte Mehmet Özay seinen Rücktritt als Vorsitzender der Marxloher DITIB Merkez-Moschee-Gemeinde. Die Gründe sind nebulös.
Hinter den Kulissen der Marxloher Moschee-Gemeinde muss es wohl schon länger Streitigkeiten gegeben haben, die bislang aber noch nicht in die deutschsprachige Öffentlichkeit gedrungen sind. Jetzt kam es zu einem öffentlichen Eklat: Zunächst teilte in einer äußerst knappen Erklärung Mustafa Kücük mit, „dass an diesem Wochenende meine Ernennung als Pressesprecher der DITIB Merkez-Gemeinde in Marxloh durch eine einfache Mehrheit des Vorstandes aufgehoben wurde”.
Kurze Zeit darauf erklärte Mehmet Özay seinen Rücktritt als Vorsitzender der Moschee-Gemeinde, die er seit 2003 geleitet hatte und in dessen Amtszeit der Bau und die Einweihung der mittlerweile bundesweit bekannten Moschee fiel.Die Hintergründe für die Amtsenthebung und den Rücktritt bleiben nebulös. In Mehmet Özays Schreiben heißt es: „Vor rund einem Jahr haben wir unsere lang ersehnte Moschee mit Begegnungsstätte eröffnen können. Seither versuchen verschiedene Personen, Gruppierungen und Institutionen auf das Haus Einfluss zu nehmen, um eigene Interessen zu verwirklichen.”
Er, Özay, habe in den vergangenen Monaten bei Vorstandssitzungen mehrfach diese Problematik angesprochen, um Gegenmaßnahmen einzuleiten. Doch habe er erkennen müssen, so Özay, „dass auch im Vorstand der Gemeinde verschiedene Mitglieder sich dieser Neigung hingeben und persönliche Ziele verfolgen”. Die Amtsenthebung des ehrenamtlichen Pressesprechers sei aufgrund einer „unrichtigen” Berichterstattung einer türkischsprachigen Lokalzeitung vorgenommen worden. Dahinter stecke, so Ozay wörtlich, „ein persönlicher Rachefeldzug”.
Mehr oder Konkreteres war gestern weder von Mustafa Kücük noch von Mehmet Özay zu erfahren. Muhammed Al, zweiter Vorsitzender der Moschee-Gemeinde, sagte gegenüber der RP, dass der Vorstand in den nächsten Tagen einen neuen Vorsitzenden wählen wird und auch eine Erklärung veröffentlichen wird. Al versicherte, dass der Konflikt nichts mit der bisherigen Offenheit und der Dialogbereitschaft der Moschee-Gemeinde zu tun hat.
Ulrich Schmitz, evangelischer Vertreter des Projekts christlich-islamischer Dialog, zeigt sich gestern Abend erschüttert über den offensichtlichen Konflikt in der Marxloher Moschee-Gemeinde, von dem er ebenfalls nichts geahnt hatte. Er hofft, dass sich der DITIB-Landesverband einschaltet und die Wogen glätten kann.
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