Duisburg: Museumsführung mit Lehmbruck-Stipendiat
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 21.07.2008Duisburg (RPO). Die jeweils drei Wilhelm-Lehmbruck-Stipendiaten der Stadt Duisburg, zur Zeit heißen sie Dragan Lovrinovic, Jáchym Fleig und Luka Fineisen, wohnen für zwei Jahre im Dreigiebelhaus und nutzen in dieser Zeit ein Atelier im HKM-Stahlwerk (die RP berichtete).
Gestern gab es das erste „Künstlergespräch“, das heißt eine öffentliche Führung mit Museumspädagoge Andreas Benedict und – bei der Premiere – Dragan Lovrinovic.
Der kroatische Künstler wurde 1969 im bosnischen Vitez geboren, lebt seit langem in der Nähe von Bielefeld, spricht fließend und akzentfrei Deutsch. Im Lehmbruck-Museum treten jetzt einige seiner neuesten Werke in Dialog mit der Ausstellung, vor allem „Annuit coeptis“ (zu sehen auf unserem Foto). Der lateinische Titel bedeutet, dass jemand (nämlich Gott) uns bei unseren Vorhaben beigestanden hat und ist ein Zitat aus dem Dienstsiegel der USA, das auch auf der Vorderseite des mit Blei ummantelten Rednerpultes prangt, das wiederum auf einem Pkw-Anhänger montiert ist und nun an einen antiken Streitwagen erinnert. Ideologien und Wahlkämpfe sind eben mobil geworden, wobei die Grundstrukturen sich gerade in Amerika niemals ändern.
Sehr persönlich ist Dragan Lovrinovics künstlerischer Kommentar zu „War“ von Duane Hanson, das ja in Lebensgröße nachgebildete US-Soldaten im Vietnamkrieg beim Sterben im Dreck zeigt. Der Lehmbruck-Stipendiat hängte daneben in Rahmen ein Taschentuch der ehemaligen Jugoslawischen Volksarmee, das ihm sein Bruder schenkte, der dann im Bosnienkrieg ums Leben kam, und ein blutverschmiertes T-Shirt, dessen Aufdruck an ein Basketballspiel zu Ehren bestimmter Opfer jenes Krieges erinnert. Es lässt an die Benetton-Werbekampagne mit der Kleidung eines toten kroatischen Soldaten denken. In Wirklichkeit hat es Lovrinovic jetzt bei HKM als Taschentuch gegen sein Nasenbluten benutzt.
Das nächste „Künstlergespräch“, dann mit Lehmbruck-Stipendiat Jáchym Fleig, findet am Sonntag, 2. August, um 11.30 Uhr statt.
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