Rumeln-Kaldenhausen: Musik und jede Menge Humor
VON GABI ADRIAN - zuletzt aktualisiert: 08.06.2010Rumeln-Kaldenhausen (RPO). Klassische Musik und Comedy – ein Widerspruch an sich? Nicht beim Quartetto Tonale. Die vier Berlinerinnen begeisterten die Besucher in St. Marien. Die Kulturtreff-Veranstalter haben einfach ein gutes Händchen.
Die Truppe
Das "Quartetto Tonale" – das sind Silke Rougk (Erste Violine), Astrid Hengst (Viola), Almut Witt (Zweite Violine) und Gesine Conrad (Cello).
Die studierten Musikerinnen, die alle Erfahrungen in namhaften Berliner Orchestern wie dem Philharmonic Orchester Berlin oder dem Konzertorchester Berlin gesammelt haben, treten seit 1994 als Quartett auf.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.quartetto-tonale.de.
Eine rote Rose im Mund, die Geige unter dem Kinn und mitreißende Tangorhythmen im Blut – so präsentierte sich das Quartetto Tonale aus Berlin am Sonntagabend bei einer Veranstaltung des Kulturtreffs Alte Dorfschule Rumeln in der Kirche St. Marien. Die vier aufreizenden Damen servierten klassische Musik mit viel Charme und Witz.
Während sich draußen erste Sommergewitter zusammenbrauten, erlebte das Publikum in der Rumelner Kirche ein Feuerwerk der Streichinstrumente. Mal kamen die Damen zickig und hochnäsig daher, erinnerten mit Gebärden und Musik an die feinste Wiener Gesellschaft, mal wurde es eher rockig. Mit viel Temperament und Spielfreude eroberten die vier Streicherinnen im Nu die Herzen der Besucher. Amüsante Szenen aus dem Alltag eines Damenstreichquartetts wurden geboten. Das, was die vier jungen Musikerinnen dort aufführten, war völlig neu und nicht zu überbieten.
Während sie im ersten Teil des Konzerts das Publikum mitnahmen auf eine Reise durch die Musik verschiedener Länder, wurde es im zweiten Teil richtig lustig. Die freischaffenden Streicherinnen, die seit ihrem Studium zusammenarbeiten, interpretierten bekannte Songs aus Musicals und Kinofilmen neu und arrangierten sie für das Streichquartett.
So ließen sie mit "I like to be in Amerika" aus der West-Side-Story geheime Wünsche erkennen, sahen beim "Pink Panther" Inspektor Clouseau um die Ecke schleichen und luden mit Andrew Lloyd Webbers "Memory" aus dem Musical Cats zum Träumen ein. Beim feurigen ungarischen Csardas ließen sie die Geigen weinen, und bei der Ritsch-Ratsch-Polka zeigten sie, dass man mit Geige durchaus auch Can Can tanzen kann.
Später am Abend bewiesen die vier jungen Musikerinnen ihr schauspielerisches Talent. Als "egozentrische Xanthippen" kamen sie blasiert und überheblich auf die Bühne, sich gegenseitig anlächelnd zur Begrüßung. Ein vielsagender Blick ins Publikum jedoch will sagen: "Uh – die schon wieder, die kann ich nicht ausstehen." Bei Wiener Kaffeehausmusik spielten Erste und Zweite Geige gegenseitig. Wenn Blicke töten könnten! Gutes Timing (oder reiner Zufall) ließ am Ende des "Rennens" draußen auf der Straße die Sirene eines Krankenwagens ertönen und alle Zuhörer in Gelächter ausbrechen.
Der Konkurrenzkampf auf der Bühne gipfelte in dem Lied "Ein kleiner grüner Kaktus", bei dem wohl eher vier stachelige Kakteen auf der Bühne standen. Die vielseitig begabten Musikerinnen zeigen hier auch ihr gesangliches Können.
Erst nach drei Zugaben und stehenden Ovationen entließen die Zuschauer die vier sympathischen Frauen. Ein wirklich gelungener Abend.
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