Duisburg: Musik "von innen" erleben
zuletzt aktualisiert: 19.02.2010Duisburg (RPO). Der Philharmonische Chor Duisburg ist der größte Oratorienchor der Stadt. Er begleitet die Philharmoniker und ist im Kulturhauptstadtjahr aktiv. Claudia Leiße ist Vorsitzender, Marcus Strümpe Chorleiter.
Salvatorkantor Marcus Strümpe leitet nebenamtlich im "verflixten siebten Jahr" den Philharmonischen Chor Duisburg. Der wird in diesem Kulturhauptstadtjahr besonders gefordert. Mit Claudia Leiße, der Vorsitzenden des Chors, und Marcus Strümpe sprach Redakteur Peter Klucken.
Ist der Philharmonische Chor Duisburg mit seinen rund 100 Sängerinnen und Sängern nicht so eine Art Exot unter den nicht professionellen Chören?
Strümpe Ja, durchaus. In anderen Chören werden sich kaum so viele Menschen zum Singen von Oratorien- und Konzertliteratur finden.
Was reizt Sie, Frau Leiße, speziell im Philharmonischen Chor mitzusingen?
Leiße Das Niveau und das sehr abwechslungsreiche Programm. Ich bin seit 17 Jahren Mitglied und habe bisher kaum ein Werk mehrmals bei Konzerten gesungen.
Es kann wohl auch abschreckend wirken, wenn immer wieder Neues geprobt werden muss. Oder?
Strümpe Wer im Philharmonischen Chor mitsingt, weiß, worauf er sich einlässt. Bei einem neuen Stück geht es auch darum, eine "neue Sprache" zu finden. Das ist immer eine Herausforderung. Für mich ist es immer schön zu sehen, wie die Leute daran "wachsen". Das ist fast wie Vokabeln lernen. Wenn man sie kennt, ist man froh, dass man neue Ausdrucksmöglichkeiten gefunden hat.
Wie ist es für Sie als Sängerin, wenn Sie mit Werken konfrontiert werden, die Ihnen gar nicht gefallen?
Leiße Auch in der Musik gibt es für uns selten die "Liebe auf den ersten Blick". Es gibt Werke, die fand ich anfangs eher abschreckend. Doch als wir uns intensiv damit beschäftigt haben, wuchs mit zunehmendem Verständnis auch die Wertschätzung, ja sogar Sympathie für die Musik. Auf den visuellen Bereich übertragen, könnte man sagen, dass man irgendwann ein und dasselbe Werk in anderen Farben sieht.
Was steht in diesem Jahr nun an?
Strümpe Wir beginnen gerade mit dem Einstudieren der "Sea Symphony" von Ralph Vaughan Williams, die wir im elften Philharmonischen Konzert am 23./ 24. Juni singen werden. Hierbei ist der Chor eine Stunde lang permanent gefordert. Das ist sehr selten.
Die "Sea Symphony" gehört ja bereits zum Kulturhauptstadt-Programm. Da gibt es aber noch die achte von Mahler, die Symphonie der Tausend. Wie ist da der Philharmonische Chor eingebunden?
Leiße Da singen wir am 12. September zusammen mit fast allen großen Chören der Kulturhauptstadt-Region in der Kraftzentrale des Landschaftsparks. Um dem Werk gerecht zu werden, braucht man einfach so viele Sängerinnen und Sänger. Ich freue mich auf die Wucht der vielen Stimmen.
Wer darf im Philharmonischen Chor mitsingen?
Strümpe Unsere Mitglieder sind alle Chor-erfahren, müssen natürlich Noten lesen können. Es gibt auch eine Stimmprüfung. Zwei Stimmbildner schulen und helfen stimmliche Probleme oder Defizite auszugleichen.
Und wer sollte im Philharmonischen Chor mitsingen?
Leiße Alle, die Spaß am Singen in einer großen Chorgemeinschaft haben, die gerne mit den Philharmonikern anspruchsvolle Konzertaufführungen vor großem Publikum realisieren wollen und dazu auch ihre Stimme schulen wollen. Die größte Motivation besteht wohl darin, dass man Musik im Chor "von innen her" erleben kann.
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