Duisburg: "Netter Nachbar" brutal erstochen
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 19.10.2010 - 18:51Die Polizei rätselt, wer den 51-jährigen Uwe J. in seiner Wohnung in Wanheimerort mit mehreren Messerstichen getötet hat. Möglicherweise hatte er mit dem oder den Tätern kurz zuvor auf einem Oktoberfest gefeiert.
Uwe J. war in der Nachbarschaft beliebt. Als netten, liebenswerten, stets hilfsbereiten Mann schätzten ihn seine Freunde. Seit Sonntag ist der 51-Jährige tot. Brutal getötet, mit mehr als zehn Messerstichen in den Hals.
In blutverschmierten Laken fanden Polizisten den Duisburger am Montagmittag tot im Bett in seiner Wohnung an der Düsseldorfer Straße in Wanheimerort, direkt gegenüber der Haltestelle „Im Schlenk“.
Die Freundin des Opfers hatte die Polizei informiert, weil ihr Freund nicht am Arbeitsplatz erschienen war. Sie selbst lebte nicht mit dem Toten zusammen und hatte keinen Schlüssel für die Wohnung.
Vermutlich wurde der 51-Jährige bereits in der Nacht zu Sonntag getötet. Zuletzt wurde er am besagten Tag zwischen 2 und 3 Uhr nachts auf einer Feier in der Kneipe „Zur Haltestelle“ lebend gesehen.
In der Gaststätte, die in der Nähe des Tatorts liegt, wurde in einer geschlossenen Gesellschaft mit etwa 40 Stammgästen Oktoberfest gefeiert. Ein auf der Feier gemachtes Foto zeigt den Toten fröhlich und gelassen.
Irgendwann im Verlauf des Abends seien Jugendliche in die Kneipe gekommen, berichtete die Polizei am Dienstag bei einer Pressekonferenz. „Sie wollten mitfeiern“, so der Leiter der 20-köpfigen Mordkommission, Harald Schalk.
Die Beamten schließen die Heranwachsenden als mögliche Tätergruppe nicht aus. „Wir vernehmen alle Partygäste, natürlich auch die Jugendlichen. Mehr können wird nicht sagen“, so Staatsanwalt Martin Hein.
Eine konkrete Spur hatte die Polizei am Dienstagabend aber noch nicht. Die Tatwaffe, ein Messer, ist verschwunden. „Über das Motiv können wir momentan auch nur rätseln“, so Schalk.
Die Ermittler gehen davon aus, dass J. den oder die Täter kannte und sie freiwillig in die Wohnung ließ. Einbruchspuren an der Eingangstür seien nicht gefunden worden. Ein Raub wurde zumindest am Dienstagabend noch als Motiv ausgeschlossen. In der Wohnung habe nichts an Wertgegenständen gefehlt, so die Polizei.
Fest steht bislang nur, dass der 51-Jährige mit „einer unglaublichen Brutalität“ um Leben gebracht worden ist. Die Nachbarn reagierten schockiert, als sie vom Tod des 51-Jährigen erfuhren, einige wussten am Dienstag noch nichts davon, was in der Nacht zu Sonntag nebenan passiert war.
Eine ältere Frau brach in Tränen aus, einer anderen fiel vor Entsetzen der Einkaufskorb aus der Hand. Die Inhaberin eines Friseurgeschäfts, das direkt unter der Wohnung des Opfers liegt, beschreibt den Toten als unauffälligen netten Mann. „Es ist alles so traurig. Wer kann so einen lieben Menschen nur umbringen?“, fragt sie.
In dem Haus wohnen neun Mietparteien. Der Tote soll der Neffe des Hausbesitzers gewesen sein, und bereits seit vielen Jahren dort gewohnt haben. Zudem soll er bis vor einigen Jahren eine Kneipe unter der Wohnung besessen haben. Er arbeitet zuletzt als Elektriker in einer sozialen Einrichtung – mehr wollte die Polizei nicht über sein Arbeitsumfeld verraten.
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