Duisburg: Neue Ausstellung mit Einblicken und Tiefgang
VON SINA ZEHRFELD - zuletzt aktualisiert: 03.12.2009Duisburg (RPO). Rheinhausen Kunst, die die ganz individuelle Seele zeigen will, und Kunst, die Individualität verleugnet, gibt es ab heute in der Galerie Rheinhausen in der Bezirksbibliothek zu sehen. Drei recht neue Mitglieder des Duisburger Künstlerbundes, Claudia Sper, Ralf Raßloff und Thomas Seyffert, stellen sich mit ihrer Arbeit vor.
Claudia Sper zeigt Skulpturen aus Leder, Holz, Fell, Knochen oder Horn und Fotografien, die sie zu dreidimensionalen Bildern aufbereitet hat. Es sind transparente Aktfotos, helle Körper auf schwarzem Grund. Durch helle Flächen scheinen dahinter liegende Materialien: Holz, Lehm, Stoff.
Ausgehöhlt und verletzt
Die Tiefe des Einblicks, die organische Natur des unterlegten Materials, schafft enorme Lebendigkeit und Körperlichkeit. So bildet rissiges, splitterndes Holz den Körper einer liegenden Frau voller verwischter Kontraste, mit der zarten Linie der Wirbelsäule als Schatten, die Kontur des Schenkels ist zu erahnen. Das gleiche Bild, hinterlegt mit gesprungenem Lehm, fasziniert durch die Anmutung von Grobheit und Feinheit zugleich. Werke mit geknüllter Folie oder feinem Gewebe sorgen für ein Gefühl von Tiefe. Einige Körper wirken aufgerissen, ausgehöhlt, verletzt.
Thomas Seyffert geht es bei seinen Bildern um die Auflösung von Individualität im großen Ganzen. Sein Werk "2K" zeigt 2000 vielfarbige, konzentrische Kreise, die, je nachdem, welchen Abstand der Betrachter einnimmt, unterschiedliche Farbeindrücke zulassen.
Kleine Scheiben in tiefem Blau wecken beim nächsten Bild Assoziationen an einen Sternenhimmel, dann wieder nebelt intensives Rot um Ringe und Kreise im Dunkeln. Seyfferts Bilder reizen dazu, nach Details zu forschen, die sich jedoch immer im Gesamteindruck verlieren. Auf kein bestimmtes Element seiner Werke kommt es mehr an, und nicht am Detail hängt das Herzblut des Künstlers.
Männlichkeitsbild auflösen
Ralf Raßloff präsentiert ein einziges Werk: eine Serie von Porträtaufnahmen junger Männer. Die Modelle, 16- bis 20-Jährige, blicken nachdenklich, sinnend, empfindsam. Raßloff versteht sein Werk als Inszenierung, die Geschlechterrollen hinterfragt: "Auf der Straße würden diese jungen Männer sich ganz anders präsentieren." Seine Bilder sollen ein nach außen getragenes Männlichkeitsbild auflösen und junge Menschen "auf sich selbst zurückgeworfen" präsentieren – sensibel und irgendwie allein.
Die Vernissage an der Händelstraße 6 ist heute um 19.30 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 9. Januar.
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