Duisburg: Neuer Hochhaustreff eröffnet
VON NILS HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 14.10.2008Duisburg (RPO). Ab sofort gibt es in einer Wohnung im Hochhaus Ottostraße 64 in Hochheide einen Kinder- und Jugendtreffpunkt. Mitten im „sozialen Brennpunkt“ gelegen, soll dort Gewaltprävention geleistet werden. Auch die Eltern der Kinder werden mit eingebunden.
hochheide Bernd Fastabend, Chef des Vereins für Kinderhilfe und Jugendarbeit, kann sein Glück noch nicht ganz fassen. 100 000 Euro pro Jahr, ohne zeitliche Begrenzung, habe der Stadtrat für das von seiner Organisation entwickelte und getragene Jugendhilfeprojekt in der Hochheider Hochhaussiedlung zur Verfügung gestellt. „Solch eine Förderung ohne Ende wird selten genehmigt.“ Doch in diesem Fall kommt sie nicht von ungefähr. Zu tief saß der Schock, den Jugendliche mit ihrer Randale zur Jahreswende in der Hochheider Ladenstadt verursachten. Jugendamt und Politik sahen sich im Zugzwang, etwas in Sachen Gewaltprävention im „sozialen Brennpunkt“ Hochheide zu unternehmen.
Weiteres Projekt
Neben der Präventivarbeit, die verhindern soll, dass aus gefährdeten Kindern straffällige Jugendliche werden, will das Jugendamt ein zusätzliches Streetworking-Projekt mit zwei Sozialarbeitern in der Hochhaussiedlung etablieren, das sich an junge Straftäter richtet.
Viele Familien brauchen Hilfe
Fündig wurde das Jugendamt, unter dessen Regie Vorschläge hierzu gesammelt wurden, beim Duisburger „Verein für Kinderhilfe und Jugendarbeit“. Dieser schlug vor, dort wo eine Verdichtung des Bedarfs existiert, Kinder- und Jugendliche zu betreuen und deren Eltern zu beraten.
Auf die Hochhaussiedlung an der Ottostraße treffe dies zu, bestätigt Fastabend. In ihr und dem näheren Umkreis würden „Hunderte leben“, die solcher Unterstützung bedürfen. Daher sei der neue Jugendtreffpunkt auch in der 80 Quadratmeter großen Wohnung im ersten Stock des Wohnblocks Ottostraße 64 eingerichtet worden. Nun habe man ein Grundproblem gelöst, fand Jugendamtsleiter Thomas Krützberg bei der Vorstellung der neuen Einrichtung. „Viele Familien hier brauchen Hilfe, gehen aber ungern zum Amt. Jetzt kommen wir zu ihnen.“
Mit dem Geld von der Stadt finanziert der Verein zwei hauptamtliche sowie zwei unterstützende Sozialarbeiter. Für Kinder bis 13 Jahren werden sie beispielsweise täglich von 9 bis 17 Uhr kostenfreie Hausaufgabenhilfe, Ausflüge oder Spielangebote bereithalten. „Das alles richtet sich aber nur an Jugendliche, die noch nicht straffällig geworden sind“, betont Bernd Fastabend. Man wolle ausschließlich Präventivarbeit leisten. Hierbei sei es vor allem wichtig, die Eltern mit einzubeziehen. Aus diesem Grund bietet der Verein in der Wohnung auch kostenfreie Elternberatung an. „Von der Beratung zur Kindererziehung, über gesunde Ernährung, Schulfragen, aber auch Schuldnerberatung wird alles abgedeckt“, so Fastabend. Möglich sei es auch in den Wohnräumen Kurse des Familienbildungswerks zu veranstalten.
Überhaupt wolle man die Jugendhilfe in der Ottostraße 64 eng vernetzen. „Wir wollen die Kinder in Abstimmung mit Schulen und Kindergärten fördern“, sagt der Leiter des Hilfevereins. Zudem hoffe man auch auf Informationen von den Vermietern der Hochhäuser in Hochheide. „Wenn es irgendwo Probleme gibt, können die ihre Mieter an uns weiter vermitteln.“ Dass es Interesse von Vermieterseite an der Verbesserung der Lage gibt, beweise die Eigentümerin des Hauses Ottostraße 64. „Frau Schweegmann hat uns die Wohnung mietfrei überlassen“, berichtet Bernd Fastabend.
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