Duisburg: Nicht durchschnittlich
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 18.11.2009Duisburg (RPO). Das Landfermann-Gymnasium feiert am kommenden Samstag sein 450-jähriges Bestehen als Gymnasium. Die Vorgängereinrichtung "Schola Duisburgiensis" ist noch einige Hundert Jahre älter. Die Traditionsschule, an der zurzeit 1300 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden, genießt einen hervorragenden Ruf.
Jubiläen sind eigentlich kein Anlass zur Trauer, sondern für Freude. Das Landfermann-Gymnasium feiert ab Samstag sein 450-jährige Bestehen mit großem Stolz, aber auch mit Wehmut: Denn im Sommer erschütterte der plötzliche Tod von Ulrich Tholuck die Schulgemeinde. Der Direktor des Gymnasiums hatte an der Jubiläumsschrift noch fleißig mitgeschrieben. Das Fest mitzufeiern, war ihm nicht vergönnt.
Beim großen Festakt am kommenden Samstag, 21. November, wird in der Salvatorkirche mit Sicherheit an Tholuck erinnert werden. Doch im Mittelpunkt wird die lange Geschichte des traditionsreichen Gymnasiums stehen und die Freude sowie der Stolz über und auf die lange Schulgeschichte.
450 Jahre alt – das würde bedeuten: 1559 wurde die Einrichtung aus der Taufe gehoben. Stimmt aber nicht! 450 Jahre ist es her, dass der Name Gymnasium in der Schulchronik auftauchte.
Die Anfänge reichen viel weiter zurück. In einem in der Festschrift nachzulesenden Beitrag heißt es: "Wird doch in den Chroniken des Jahres 1280 ein Rector Scolarium namens Dietrich de Porta erwähnt, der als Leiter der Schola Duisburgiensis fungierte". Sie soll die Vorgängerin des alt-ehrwürdigen "Landfermann gewesen sein und damit eine der ältesten, wenn nicht gar die älteste Schule im Lande.
Doch ob 450 Jahre oder mehr – was zählt, ist die Tatsache, dass es eine ältere Schule als das "Landfermann" in Dusiburg nicht gibt; dass das Gymnasium einst so etwas wie die Vorschule zur Duisburger Universität war; dass es Kriege und Krisen, Zerstörungen am Gebäude und Versuche, den Schulgeist negativ zu beeinflussen, tadellos überstand und heute wie einst einen hervorragenden Ruf genießt.
Wer sein Kind zum Landfermann schicken darf, der setzt darauf, dass es eine fundierte, wenn auch heute nicht mehr rein humanistische Bildung vermittelt bekommt. Denn die Zeiten, in denen Latein statt Englisch oder Alt-Griechisch und Hebräisch statt Französisch oder Spanisch auf dem Lehrplan standen, die sind lange vorbei.
Und ebenso die Zeit, als nur Jungen die Schule an der Mainstraße besuchen durften. 1978 hat sich das Landfermann Gymnasium auch für Mädchen geöffnet. Was geblieben ist, das ist eine hohe Identifkation der Schüler mit ihrer Bildungseinrichtung, die mit dem Abitur nicht endet. Noch im Rentenalter fühlen sich die Ex-Pennäler dem Landfermann Gymnasium in stärkerem Maße verbunden, als man es von anderen Schulen hört.
Ein Grund dafür mag sein, dass viele von den Duisburgern, von denen man behauptet, sie stellten etwas dar, dort die Schulbank gedrückt haben. Daraus mag sich auch das Vorurteil entwickelt haben, das Landfemrann sei elitär. Elitär, was heißt das? Auserlesen, sagt der Duden, also nicht durchschnittlich. Und zur (Bildung-)Elite gehören viele, die das Gymnasium absolviert haben.
Ein breit differenziertes Angebot vermittelt Fachwissen und Kultur. Und besonders begabten jungen Leuten stellt die Schule so viel Förderung zur Zeit, wie es sich eben noch machen lässt. Unter der Leitung von Ulrich Tholuck setzte das Landfermann hier Maßstäbe.
Einen Schule mit derart guten Bildungsvoraussetezungen muss sich um "Nachwuchs" nicht sorgen. Mit rund 1300 Schülern ist das Gymnasisum an seine (räumlichen) Grenzen gestoßen.
Alle baulichen Aktivitäten der Vergangenheit konnten nicht verhindern, dass die Schule aus den Nähten platzt. Vielleicht bietet ja der Umzug des benachbarten Friedrich-Albert-Lange Berufskollegs nach Neudorf (in zwei bis drei Jahren) eine Chance, mehr Fläche zu bekommen. Wer weiß...
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