Duisburg: Nur noch 24 Stunden
VON JESSICA NARLOCH - zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 - 08:25Duisburg (RPO). Der Tag der Premiere rückt immer näher: Am morgigen Donnerstag eröffnet der Zirkus Höhner Rockin' Roncalli seine "Salto Globale"-Show im Innenhafen. Vier Tage hatten die Artisten Zeit, sich auf den großen Tag vorzubereiten.
Das Heulen von Seelöwen, Trommelwirbel, und die unverkennbaren Rhythmen der Kölner Kultband Höhner dringen dieser Tage schon von weitem in die Ohren derer, die durch den Innenhafen an der Stresemannstraße schlendern. Es sind die Geräusche eines Zirkus, die aus dem riesigen Zelt dringen – Tage bevor der Zirkus Höhner Rockin' Roncalli überhaupt Premiere feiert.
Vier Tage wird geprobt
Auch wenn es für die Zuschauer erst am morgigen Donnerstag los geht, die 35 Artisten und 65 Mitarbeiter wie Techniker, Assistenten, Trainer, Tiertrainer, Requisiteure und Kostümbildner sind bereits seit Montag beim Proben, was das Zeug hält. "12 Stunden, jeden Tag", berichtet Thomas Merz vom Zirkus. Einen festen Probeablauf gibt es zwar auf dem Papier, doch hier trainiert jeder so lange, bis alles sitzt.
Schon am frühen Morgen heißt es: Spot an, Licht aus, und Musik. Immer mit dabei: die Höhner, die mit ihrer Musik durch das gesamte Programm führen und damit das komplette Ensemble vernetzen. Dann herrscht plötzlich Ruhe im Zelt, das Licht wird gedämmt. Schnell müssen sich die Techniker orientieren, denn jeder Künstler hat sein eigenes Licht- und Musikkonzept – so lange, bis alles umgeschmissen wird. "Das kommt nicht allzu oft vor, aber natürlich müssen die Songs der Höhner zum Künstler passen", so Merz. "Ein zu langsames Lied kann eine Trapezkünstlerin schnell aus dem Takt bringen."
Seelöwentraining
Doch nicht nur die Artisten müssen trainieren. Kaum hat die Band das Zelt verlassen, um in die wohlverdiente Mittagspause zu gehen, raschelt es schon wieder hinter dem Vorhang. Einem tiefen Heulen folgen vier massige und feuchte Gesellen: Die Seelöwen watscheln hinein und nutzen die außerplanmäßige Pause. Für sie gibt es leckeren Fisch, denn auch sie müssen sich erst wieder an die Manege gewöhnen. Kaum ist die Fütterung vorbei, geleitet Familie Duss ihre Schützlinge zurück ins riesige Planschbecken hinter dem Zelt, dem sie aber immer wieder entwischen. Scheinbar sind auch sie aufgeregter, als man ihnen ansieht. "Für viele Artisten ist die Zeit vor der Premiere am entspanntesten", erklärt Merz. "Sie können ungeschminkt herumlaufen. Für mich ist es jedoch eine angespannte Zeit, und erst nach der Premiere lässt der Druck nach."
Dabei ist es nicht die Angst vor Missgeschicken, denn um solche im Griff zu haben, dafür wird schließlich geübt. "Der Unterschied zu anderen Shows ist, dass die Songs der Höhner meistens drei Minuten dauern und nicht in Schleife gespielt werden können", so Merz.
"Die Band kann also nicht einfach weiterspielen, wenn ein Kunststück mal nicht gelingt." Doch Vorbereitung ist bekanntlich das halbe Leben, und so wird auch der Fall der Fälle geprobt. Gerade bei den Seelöwen kann eine Showeinlage etwas länger dauern, wenn sie, wie Merz es ausdrückt, "wieder ihre Blödeleien im Kopf haben".
Wenn alles glatt läuft, dann haben die Künstler bald ein perfekt aufeinander abgestimmtes Konzept auf die Beine gestellt, bei dem Musik, Licht, Ton und Artisten ineinandergreifen. Fehlen nur noch die Zuschauer und das Popcorn.
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