Duisburg: Oma grüßt den Papst
VON SANDRA KAISER - zuletzt aktualisiert: 19.10.2007Duisburg (RPO). Was für ein Gewusel. Schwer beladen mit Schlafsäcken, Wolldecken, Kuschelkissen, Rucksäcken, Koffern und Taschen rennen hunderte Mädchen aufgeregt um die 28 Reisebusse herum und suchen ihre Nummer. Kleine Geschwister, Großeltern und Eltern geben sich alle Mühe, um ihnen dicht auf den Fersen zu bleiben.
Denn in dem Gewühl geht schnell mal jemand verloren. „Da ist er!“ Anna-Lena Warrich und ihre Mutter Marlis haben den Bus der 6 a entdeckt. Mit großem Hallo begrüßt die Zwölfjährige ihre Klassenkameradinnen, die schon aufgeregt hin und her tippeln. In wenigen Minuten soll es losgehen.
Unmengen von Gepäck
Geschätzte 24 Stunden dauert die Reise in die Ewige Stadt, aber das macht Anna-Lena gar nichts aus. „Ich habe meinen Gameboy dabei, den Walkman und das Buch ,Tintentod’ von Cornelia Funke“, verrät sie. Und dann sei da ja auch noch ihre beste Freundin Greta, mit der sie stundenlang quatschen könne. „Langweilig wird es uns auf keinen Fall.“ Der Höhepunkt der Rom-Fahrt ist für Anna-Lena die Papstaudienz am Mittwoch. Sie hofft, nahe genug an Benedikt XVI. heran zu kommen. „Denn ich soll ihm von Oma schöne Grüße bestellen.“
Ein paar Meter weiter studiert Bettina Sebastian konzentriert die Anwesenheitsliste und macht fleißig Häkchen. Ein paar Schülerinnen und Elternteile fehlen noch, und trotzdem ist der Gepäckraum des Reisebusses schon verdächtig voll. „Das wird knapp. Aber kein Wunder – einige haben ja auch gepackt, als würden sie für vier Wochen verreisen“, sagt die Klassenlehrerin der 7 c lachend.
Am Reisebus der 5 c sind schon alle eingetroffen. Stefanie Hinrichs und ihre Tochter Kathrin stehen ein wenig abseits, halten sich in den Armen. Vorfreude strahlen die beiden nicht gerade aus. „Ich kann leider nicht mitfahren, denn ich muss nach meinem dreijährigen Sohn sehen“, erklärt die Mutter. Kathrin ist traurig darüber, auf die Fahrt kann sie sich gar nicht richtig freuen. „Ach Quatsch“, sagt Stefanie Hinrichs. „Du wirst dich richtig amüsieren und gar keine Zeit haben, mich zu vermissen.“
Kathrins Klassenkameradin Victoria Wesseling hat da schon mehr Glück. Ihre Mutter Manuela kommt mit nach Rom. Die einzige Sorge, die die Zehnjährige hatte: „Mir wird im Bus immer so schlecht. Ich muss mich jedes Mal übergeben.“ Deshalb haben sich die beiden einen Plan B überlegt: Sie werden sich den Reise-Marathon sparen und heute Mittag den Flieger nach Rom nehmen. „Das heißt aber auch, dass wir sechs Stunden später als alle anderen ankommen“, gibt Victoria zu bedenken.
„Hoffentlich verpasse ich in der Zeit nichts.“ Aber ihre Mutter rechnet nach. Zur geplanten Eröffnungsparty müssten sie auf jeden Fall da sein. „Und das ist doch das Allerwichtigste“, sagt sie lächelnd in Richtung Tochter.
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