Duisburg: Persönliche Kopfkissen-Lieder
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 24.08.2009Duisburg (RPO). Beim Friemersheimer Kultursommer gastierte zum zweiten Mal nach zwei Jahren der prominente Kabarettist, Musiker und Autor Konrad Beikircher mit seiner Band und seinem neuen Programm "Amore e passione".
friemersheim Tief in seinem Herzen ist Konrad Beikircher wohl schon immer ein italienischer "cantautore" (etwa: Liedermacher) gewesen. Schon mit zwölf Jahren im Bozner Schülerheim dichtete, komponierte und sang er "Notti". Jetzt gastierte er mit dreiköpfiger Band (Akkordeon und Kontrabass sowie Violine und Mandoline) zum zweitenmal nach zwei Jahren beim Friemersheimer Kultursommer, füllte am lauen und erst später kühlen Spätsommerabend den schattigen Platz zwischen der Dorfkirche und dem Alten Pastorat mit seinem neuen Programm "Amore e passione".
Canzone und Chansons
Das sind eben überwiegend italienische Canzone, oft von Paolo Conte wie "Desidero te". Aber auch französische Chansons wie "Ma première guitare" von Sacha Guitry bringt er sprachlich und musikalisch kongenial herüber.
Man merkt eben, dass es seine "persönlichen Kopfkissen-Lieder" sind, die mit seinem Leben und seiner Person aufs Engste verbunden sind. Beikircher war schon immer ein sehr persönlicher Künstler. Aber nun verwandelt er sein Privatleben konsequent in Bühnen-Lieder – zumindest wird es so inszeniert.
Zum Glück geht immer wieder der geniale Kabarettist und begnadete Geschichtenerzähler mit dem gebürtigen Südtiroler und Wahl-Rheinländer durch. Im Schülerheim lauschte er "mit erigiertem Ohr" den Erzählungen seiner älteren Mitschüler von den Prostituierten auf dem Bozner Verdiplatz, "die angeblich selbst uns für nur 50 Lire, hätten wir sie denn gehabt, in die wunderbare Welt der Männlichkeit eingeführt hätten". Der Kauf der ersten Gitarre mit der Mutter im Münchner Gitarren-Paradies Lindberg wird zur Realsatire: "Da hätten wir schon was da, meinte die Verkäuferin, ein Trampel aus dem Bayerischen Wald, hinter der 5000 Gitarren hingen."
Über die Dorfkirche Friemersheim meinte der in dritter Ehe verheiratete Vater von insgesamt fünf Kindern: "Ich hoffe, die ist nicht nur eine Hochzeitskirche, sondern auch eine Taufkirche - wozu mache ich mir denn sonst die Mühe!"
Ein Höhepunkt war sein Exkurs über den italienischen Radrennsport der 1950er Jahre, über die Konkurrenten Francesco Bartali und Fausto Coppi, die damals ganz Italien in zwei Lager spalteten, als Erläuterung vorweg für ein Lied von Paolo Conte: "Wir im Norden waren Bartali. Der Giro d'Italia wurde in Cortina gestartet, und Bartali kam eine halbe Stunde vor dem Feld in Bruneck an!"
Hungriger kleiner Junge
Und nicht zuletzt das ergreifende jiddische Lied "Papirossen" über einen hungrigen kleinen Jungen, der im Warschauer Ghetto gezwungen ist, selbstgedrehte Zigaretten zu verkaufen.
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