Duisburg: Philharmonische Hausbesetzung
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 04.10.2010 - 07:21Duisburg (RPO). Dr. Alfred Wendel als Intendant der Duisburger Philharmoniker nannte es eine "philharmonische Hausbesetzung" und dankte den Musikern, dass sie sich für "dieses doch ziemlich verrückte Konzert" zur Verfügung gestellt hatten.
20 Streicher spielten aus den Fenstern der St.-Johann-Straße 3, der Dirigent Norbert Killisch stand inmitten des Publikums auf der Straße.
Noch einmal zum Hintergrund: In der St.-Johann- und in der Saarbrücker Straße in Hochfeld leben seit Beginn des Kulturhauptstadt-Jahres 26 neue Bewohner aus Deutschland, Österreich, Italien, Russland und Japan. Sie sind Teil der Ausstellung "2-3 Straßen" von Jochen Gerz, schreiben an einem gemeinsamen Text und sollen zusammen mit Besuchern die betreffenden Straßen kreativ verändern (die RP berichtete).
Jetzt waren also Philharmoniker zu Besuch und lugten aus den Wohnungen, spielten gefällige Streicherwerke. Zu Beginn den bewährten Kanon von Johann Pachelbel - nicht nur zur Weihnachtszeit, wenn auch hier die Fenster entsprechend den Stimmeinsätzen wie bei einem Adventskalender nach und nach aufgingen. Nur die drei Cellistinnen saßen auf Podien vor dem Haus, der Kontrabassist besetzte den Hauseingang.
Kleine Kinder tanzten zur Musik fröhlich Ringelreihen, wie überhaupt die Stimmung unter den zahlreichen Besuchern auf der Straße bestens war. Prächtig auch die Akustik zwischen den Häuserwänden. Dass das Ensemble nicht immer ganz exakt spielte, war nicht anders zu erwarten, schließlich konnten sich die Musiker untereinander nicht sehen und mussten sich ganz auf die Einsätze des Dirigenten verlassen.
Drei Sätze aus Benjamin Brittens beliebter "Simple Symphony" wären aus den Fenstern zu spielen dann doch zu schwierig gewesen. So kamen die hohen Streicher herunter vor die Tür und die Musik somit ganz nahe zu den Menschen. Hernach ging man gemeinsam in die Kneipe.
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