Duisburg: Pipelinegegner sind empört
VON MARITA JÜNGST - zuletzt aktualisiert: 25.07.2009Duisburg (RPO). Die Bürgerinitiativen, die den Bau der CO-Leitung von Dormagen nach Uerdingen stets kritisch beobachtet haben, wollen nach der neuesten Panne beim Planfeststellungsverfahren wahrscheinlich Strafanzeige stellen.
Für die Duisburger Bürgerinitiative COntra Pipeline ist nach der jüngst bekannt gewordenen "Panne" beim Bau der Bayer CO-Pipeline von Dormagen nach Uerdingen das Maß endgültig voll, wie Sprecher Erich Hennen sagt. "Es ist unbegreiflich, wie mit dem Leben der Anwohner und der Bauarbeiter umgegangen wurde." Hintergrund der öffentlich vorgetragenen Empörung ist ein internes Schreiben der Bezirksregierung Düsseldorf, in dem auf die unterbliebene Kampfmittelsondierung entlang der Trasse für die Erdgas- und CO-Leitung hingewiesen wird (wir berichteten). Dieser Nachweis ist im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vorgeschrieben. Das Schreiben kam dann auf unbekannten Wegen auch in die Hände der Bürgerinitiativen, die es jetzt öffentlich machten.
Inbetriebnahme
Für den Nachweis der Kampfmittelfreiheit entlang der Pipeline-Trasse ist die Wingas verantwortlich, die im Duisburger Süden parallel zur CO-Pipeline eine Erdgasleitung verlegt. An diesen Nachweis ist die Inbetriebnahme der Leitungen geknüpft.
Während die Gasleitung danach gleich genutzt werden könnte, hängt die Inbetriebnahme der CO-Pipeline vom Urteil des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts ab.
Eine Entscheidung wird im nächsten Jahr erwartet.
Bezirksregierung bestätigt
"Wir konnten den Inhalt zuerst gar nicht glauben. Doch nachdem die Bezirksregierung es bestätigt hat, werden wir nun alle Register ziehen", sagt Hennen. Und das bedeutet, dass die Bürgerinitiativen entlang der Pipeline sich derzeit mit Rechtsexperten beraten, um anschließend Strafanzeige zu stellen. Für die Pipeline-Gegner hat es beim Bau der Leitung inzwischen schon zu viele Pleiten, Pech und Pannen gegeben.
Unabhängig vom nicht erfolgten Nachweis auf Kampfmittelfreiheit im Bereich der Pipeline-Strecke hatte die Duisburger Initiative selbst nach möglichen noch im Boden liegenden Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg geforscht. Nicht mit Instrumenten, sondern auf der Grundlage von Material aus dem Stadtarchiv, alten Polizeiakten und aus der damaligen Tagespresse. Heimatforscher Harald Molder, der sich intensiv mit den Bombenabwürfen über Duisburg während des Krieges auseinander gesetzt hat, schätzt, "dass entlang der Pipeline-Trasse im Duisburger Süden noch rund 50 bis 60 Bomben liegen, die damals nicht hochgegangen sind."
Hinzu komme die noch viel höhere Zahl an Granaten. Eine solche war beispielsweise beim Verlegen der Pipeline in direkter Nachbarschaft zum Grundstück des Rahmers Dr. Hartmut Wandt gefunden worden.
Grüne: "Schlamperei"
Da Stadtdirektor Dr. Peter Greulich derzeit in Urlaub ist, sah sich die Stadt Duisburg gestern nicht in der Lage, zu der neuen Entwicklung in Sachen Pipeline Stellung zu nehmen. Die Grünen dagegen werteten die Tatsache, dass die Trasse bis jetzt noch nicht auf Blindgänger und Munitionsrestes überprüft wurde, als "weitere Schlamperei". "Hier wird zum wiederholten Male gegen den Planfeststellungsbeschluss verstoßen. Und das bei einem so hoch riskanten Projekt. Wir fordern Bayer auf, das Projekt endlich und endgültig zu beenden", so Reiner Neumann von den Duisburger Grünen.
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