Duisburg: Piranhas bald auch im Rhein?
VON SONJA BROWATZKI - zuletzt aktualisiert: 25.07.2009Duisburg (RPO). Die Angler vom ASC Kruppsee warnen vor dem geplanten Steinkohlekraftwerk in Krefeld-Uerdingen. Sie befürchten, dass die Wassertemperatur des Rheins weiter ansteigt und sich exotische Fische ansiedeln könnten, die den heimischen Arten gefährlich werden.
Friemersheim Im Kampf gegen den Bau des Kohlekraftwerks in Krefeld-Uerdingen bekommt die Rheinhauser Bürgerinitiative "Saubere Luft" jetzt Rückenwind vom Angelsportclub (ASC) Kruppsee. Nachdem sich ein Artikel in der offiziellen Zeitschrift des Fischereiverbandes mit dem Thema Wassererwärmung durch Industrie und Klimawandel beschäftigt hatte, war der erste Vorsitzende des ASC, Volker Tauscher, neugierig – und skeptisch – geworden.
"In den vergangenen Jahren ist die Temperatur im Rhein um 3,5 Grad gestiegen. Ein Grad resultiert aus dem Klimawandel, aber die zusätzlichen 2,5 Grad kommen durch die Warmwasser-Einleitung der Industrie", erklärt Tauscher. Um ihre Maschinen zu kühlen, nutzten ansässige Firmen das Flusswasser und leiteten es dann, etwa 35 Grad Celsius warm, wieder in den Rhein zurück. "Danach kommt es sofort zu einer Vermischung mit dem restlichen Flusswasser und es kühlt wieder ab. Aber auf lange Sicht verändert es die Wassertemperatur", so Tauscher.
Die Erft
Die Erft entspringt in der Eifel und mündet bei Neuss in den Rhein.
In den vergangenen Jahren wurden dort immer wieder exotische Tierarten wie Piranhas, Rotwangenschildkröten, Sonnenbarsche oder Guppys entdeckt. Sammler, so die Vermutung, haben die tropische Arten dort ausgesetzt.
Dass die Tiere selbst die Winter überstanden haben, liegt Umweltschützern zufolge am Braunkohle-Bergbau: Um die unterirdischen Abbaugebiete trocken zu halten, wird permanent warmes Grundwasser aus großen Tiefen in die Erft geleitet. Hinzu kommt das Kühlwasser aus den Kraftwerken. Dadurch ist das Wasser in der Erft auch im Winter nie kälter als zehn Grad – und bietet den Tropenbewohnern fast schon ideale Lebensbedingungen.
Kesslergrundel gefangen
Auch Kraftwerksbetreiber Trianel will die Kühlkraft des Rheins nutzen. Angeblich soll sich dadurch das Wasser ausschließlich im Einleitungsbereich um höchstens 0,25 Grad erwärmen. Zusätzlich gibt die Firma an, bei Niedrigwasser im Sommer die Maschinen zu drosseln, um weniger Wasser zu erwärmen. "Ob man dem Glauben schenken kann, weiß ich nicht", bleibt Tauscher trotz der beschwichtigenden Worte in einer Broschüre von Trianel skeptisch.
Obwohl das wärmere Wasser den Friemersheimer Anglern besonders im Winter eigentlich zugute kommt, weil wärmere Regionen Fische anziehen und dadurch bessere Fanggebiete sind, warnt der Vereinsvorsitzende vor den Folgen, die eine weitere Erwärmung mit sich bringen würde. "Schon jetzt fangen wir Fische, die hier eigentlich nichts zu suchen haben", so Volker Tauscher.
So ging kürzlich einer ASC-Anglerin eine "Kesslergrundel" an den Haken – ein Fisch, der es schaffte, in wenigen Jahren alle fünf großen Seen Nordamerikas zu besiedeln. "Und da sie Laichräuber sind, werden so einige angestammte Fischarten das Nachsehen haben", prophezeit Tauscher. Zudem gefährde eine höhere Wassertemperatur auch Projekte wie die Wiederansiedlung des Lachses oder des Maifisches.
Bizarre Vorstellung
"Vielleicht ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir Angler, wie an der Erft bereits geschehen, Piranhas fangen", sagt Tauscher halb scherzend angesichts dieser bizarren Entwicklung. Dann aber wird er schnell wieder ernst: "Sollte die Wassererwärmung weiter in diesem Maße fortschreiten, ist diese Vorstellung bald gar nicht mehr so absurd."
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