Loveparade-Tragödie: Präses Schneider stellt sich vor OB Sauerland
zuletzt aktualisiert: 01.08.2010 - 21:02Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, stellt sich vor den umstrittenen Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). "Ich trete sehr dafür ein, dass Herrn Sauerland Gerechtigkeit widerfährt. Er war ja bis vor kurzem ein sehr respektiertes, ja beliebtes Stadtoberhaupt."
Das sagte Schneider der "Frankfurter Rundschau" laut Vorabbericht. Er fordere für Sauerland "Menschlichkeit und Maß ein".
Außerdem warb der Ratspräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) um etwas Verständnis dafür, dass ein Mensch in einer solchen Situation sich nicht immer so äußere und verhalte, wie man es von ihm zu erwarten hätte. Sauerland sieht sich nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten scharfer Kritik ausgesetzt, weil er sich für die Veranstaltung in Duisburg stark gemacht hatte. Selbst Parteifreunde fordern seinen Rücktritt. Im Stadtrat wird ein Abwahlverfahren angestrebt.
Schneider sagte, es sei eine unsinnige Regelung, dass Sauerland im Falle eines Rücktritts vom Amt des Oberbürgermeisters sämtliche Versorgungsansprüche verlieren würde, die er sich als Beamter erworben hat. "Dafür muss eine Lösung gefunden werden", forderte Schneider. Es sei zu respektieren, "dass er danach fragt, was im Falle eines Rücktritts aus ihm und seiner Familie wird", sagte Schneider.
Er betonte, Sauerland sei als Chef der Verwaltung und oberster Repräsentant der Stadt natürlich politisch und moralisch verantwortlich für die Loveparade-Katastrophe. Wenn der Oberbürgermeister sage, er wolle helfen aufzuklären, dann bedeute das auch, dass er sich der Verantwortung stelle. "Nur bringt er dieses Wort einfach nicht über die Lippen. Daran merkt man aber auch, wie sehr er Gefangener dieser Situation ist", sagte Schneider.
Der EKD-Ratsvorsitzende sagte, als Duisburger Bürger falle ihm der Gedanke im Moment schwer, von Sauerland repräsentiert zu werden. "Aber das ist keine Frage des ,ganz oder gar nicht'. Und ich werde kein Wort der Verurteilung sprechen", betonte er.
Allerdings werde Sauerland sein Amt nicht weiter ausüben können, wenn er öffentliche Auftritte aus Gründen der Sicherheit weiterhin meiden müsse. Für einen politischen Repräsentanten sei das eine völlig unmögliche Lage.
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