Duisburg: Prinz Hamlet als Talkshow-Gast
VON CHRISTINA HOETZEL - zuletzt aktualisiert: 27.01.2009Duisburg (RPO). Rheinhausen Hier ist eindeutig etwas faul im Staate Dänemark. Prinz Hamlet (Kirsten Rusche), der mental neben der Kappe ist, und Ophelia (Steffi Iglesis) erörtern ihre Beziehungsprobleme in der Talkshow "Britta Fünf vor Zwölf". Die drei Hexen aus Macbeth kochen im "Magie Kochstudio", und Richard III. (Michael Kaufmann) wird von der Polit-Journalistin Christiane Kerner Maischmann (Monika Kaufmann) interviewt. Solch eigenwillige Sendeformate kommen heraus, wenn eine finanzkrisengebeutelte Theatergruppe versucht, Shakespeares dramatische Werke einem TV-Produzenten schmackhaft zu machen. Urheber dieser MTV-mäßig aufgepeppten potenziellen Quotenhits ist der gewiefte Intendant Klaus Maria Brandmauer (Klaus Thiel-Klenner), dem der Geldeintreiber im Nacken sitzt.
Überspitzt und skurril
Das Publikum in der Aula des Krupp-Gymnasiums hatte bei der Premiere des "KTK" (Kleinkunst-Theater-Kabarett) von "Shakespeare Reloaded" seinen voyeuristischen Spaß. So steckte die Mega-Nanny (Anja Bühler) die rivalisierenden Gangs, die "Jets" und die "Sharks" aus "Romeo und Julia", einfach ins Bett, bevor die Tragödie ihren Lauf nahm. Und der Marshmallowman, ein schwerverdauliches Gericht aus der Hexenküche, verselbstständigte sich als Geist von Hamlets Vater.
Natürlich durfte das obligatorische Gewinnspiel nicht fehlen. "Wir suchen eine adelige Figur von Shakespeare. _ A M L E T. Der Hot Button sucht!. Die Sendung dauert jetzt schon dreieinhalb Stunden. Weiß denn niemand die Lösung?". Die aufgeputschte Gewinnspiel- Animateuse wirkte besonders stilecht. Heimlich reingeschaut hatte natürlich jeder im Publikum schon einmal, deshalb hatten einige Formate hohen Wiedererkennungswert. Überspitzt und mit den Originaldialogen des englischen Dramatikers versehen, wirkten die modernen Ramschsendungen noch skurriler.
Alle zwölf Beteiligten widmeten ihren Rollen natürlich den nötigen Ernst. Besonders tragisch gestalteten sie den Hamlet. Da der nicht länger als eine Folge der Lindenstraße sein durfte, mussten die Akteure sich besonders ins Zeug legen. Der Monolog des Prinzen, der am gewaltsamen Tod seines Vaters durch den Onkel verzweifelt, war besonders bewegend und auch etwas für eingefleischte Theaterfans.
Das Stück, welches dem modernen Entertainment den Spiegel vorhält, lud zum Schmunzeln ein und wartete immer wieder mit neuen Überraschungen auf. Ein bisschen Klamauk durfte auch nicht fehlen.
Am Samstag, 31. Januar, 20 Uhr, gibt es eine weitere Aufführung von "Shakespeare Reloaded" in der Aula des Krupp-Gymnasiums, Flutweg 62.
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