Duisburg: Projekt Integration muss gelingen
zuletzt aktualisiert: 25.12.2009 - 10:17Duisburg (RPO). Interview Helga-Maria Poll und Ulrich Schmitz, Mitglieder im Beirat der Begegnungsstätte an der Ditib-Merkez-Moschee, über den Minarett-Streit in der Schweiz und anderswo sowie über die Streitigkeiten innerhalb der islamischen Gemeinde.
Der Schweizer Volksentscheid, den künftigen Bau von Minaretten zu verbieten, hat auch in Deutschland für Diskussionen gesorgt. Viele blicken da auf Duisburg, wo der Bau der neuen Moschee nur auf geringen Widerstand stieß. Häufig war sogar vom „Wunder von Marxloh” die Rede.
Mit Helga-Maria Poll und Ulrich Schmitz, nicht-muslimische Mitglieder im Beirat der Begegnungsstätte für die Marxloher Moschee, sprach Peter Klucken.
Hat Sie das Schweizer Votum überrascht?
Poll Es hat mich nicht überrascht. Die Schweiz ist sehr darauf bedacht, ihre Grenzen „eng” zu halten.
Schmitz Mich hat das Votum doch überrascht. In den Städten der Schweiz, die ich besser als die ländliche Gegend kenne, gibt es meines Erachtens keine großen Vorbehalte gegen Moscheebauten mit Minaretten.
Beirat
Der Beirat für die Ditib-Begegnungsstätte besteht aus Mitglieder des Dachverbandes (Ditib Köln), ein Vertreter der Stadt Duisburg, Vertreter der Kirchen (zum Beispiel Ulrich Schmitz, Leiter der ev. Familienbildungsstätte), Vertreter der Uni Duisburg-Essen und namhafte Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Gesellschaft (zum Beispiel die langjährige Ratsfrau Helga-Maria Poll). Der Beirat hat bei Bedarf Vermittlungsfunktion, kann auch Rechenschaftsberichte einfordern.
Viele Kommentatoren meinen, dass auch die Deutschen ähnlich abgestimmt hätten, gäbe es hierzulande einen entsprechenden Volksentscheid. Wenn das so wäre, halten Sie es für möglich, dass die Duisburger toleranter als die Durchschnittsdeutschen sind?
Poll Das könnte sein, da in Duisburg schon seit 100 Jahren Menschen aus anderen Ländern hierhin gekommen und heimisch geworden sind.
Schmitz Die Duisburger Bevölkerung ist vielleicht etwas erfahrener in der „multikulturellen” Auseinandersetzung.
Weshalb gab es beim Bau der Marxloher Moschee Ihrer Meinung nach so wenig Widerstand, besonders wenn man den umstrittenen Moscheebau in Köln als Vergleich heranzieht?
Poll Hier waren der bisherige Gemeindevorstand gemeinsam mit dem Vorstand der Begegnungsstätte offen in der Diskussion und auch offen für Vorschläge. Mehmet Özay als Vorsitzender hat da besondere Verdienste. Es herrschte ein liberales Klima, basierend auch auf der Satzung der Moscheegemeinde und Begegnungsstätte.
Schmitz In beiden Satzungen heißt es: „Die Gemeinde setzt sich für einen weltoffenen und liberalen Islam ein, insbesondere achtet sie bei der Gemeindearbeit auf die Grundsätze der Freundschaft, Achtung, Nachsicht, Toleranz und Solidarität der Menschen untereinander und mit Angehörigen anderer Glaubensrichtungen; sie hält sich von jeglichem Fanatismus fern und wird Mitglieder, die sich an diese Grundsätze nicht halten, vom Verein ausschließen.”
Bislang hatte die Moschee eigentlich nur positive Schlagzeilen. Viele Duisburger fahren mit auswärtigen Besuchern nach Marxloh, um dort die Moschee gewissermaßen als ein neues Wahrzeichen in der Stadt zu präsentieren. Nun aber wurde öffentlich, dass es innerhalb des islamischen Gemeindevorstands Streitigkeiten gibt, die niemand von außen so recht durchschaut. Können Sie als Beiratsmitglieder erklären, worum es bei dem Konflikt geht?
Poll Meiner Meinung nach geht es hier um einen Gegensatz zwischen Konservativen und Liberalen.
Schmitz Das sehe ich genauso. Deshalb ist ein besonderes Augenmerk auf die zukünftige Arbeit der Begegnungsstätte zu richten.
Was sollte Ihrer Meinung nach geschehen, damit das „Wunder von Marxloh” nicht zu einer heuchlerischen Floskel wird?
Schmitz Wenn es zutrifft, was der damalige Vorsitzende Mehmet Osay sagte, „Wir sind hier angekommen, wir sind hier zuhause”, dann muss die jetzige Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Konservativen stattfinden.
Poll Und das öffentlich, wie es hier in Duisburg sein sollte. Wenn das „Modell Begegnungsstätte” in Duisburg scheitern sollte, geht der Schaden weit über Duisburg hinaus. Schmitz: Das Projekt Integration muss in Duisburg gelingen.
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