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Duisburg: Protest vor Moschee: "Wir wollen Deutsch lernen"

VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 08.03.2010 - 18:18

Vor der Moschee in Marxloh haben am Montagmittag türkischstämmige Frauen für den Erhalt der Deutsch-Kurse protestiert.  Von der einst so "offenen Moschee" ist immer weniger von zu spüren.  

Von der einst so vielgepriesenen Offenheit der Marxloher DITIB Merkez-Moschee-Gemeinde ist in letzter Zeit nicht mehr viel übrig geblieben - so hat es zumindest den Anschein. Seit der Wahl des neuen Vorstandes hat sich in der öffentlichen Ausrichtung der Moschee offenbar ein Paradigmenwechsel vollzogen.

Wie jetzt bekannt wurde, sollen in der vergangenen Woche der Dialogbeauftragte und die Bildungsreferentin der Begegnungsstätte entlassen worden sein ­- wie man hört aus Spargründen. Ulrich Schmitz, Bereitsmitglied der Moschee, befürchtet, dass der neue Vorstand damit versuche, die eigenständige Bildungsstätte näher an die Moschee zu binden. Das dürfe aber nicht geschehen, weil die Bildungsstätte, so Schmitz, „eine frei von der Moschee agierende Integrationseinrichtung“ sei und unbedingt bleiben müsse - als solche ist sie übrigens auch mit Landesgeldern gefördert worden.

"Wir wollen Deutsch lernen"

Etwa 30 türkischstämmige Frauen demonstrierten am Montamittag vor der interkulturellen Begegnungsstätte gegen die Entlassungen und für den Erhalt ihrer Deutsch- und Integrationskurse. Deutsch- und Alphabetisierungskurse sowie Sozialberatungen für muslimische Frauen, so die Annahme der demonstrierenden Frauen, könnten als nächstes dem finanziellen Rotstift zum Opfer fallen. Die Begegnungsstätte müsse sich wirtschaftlich neu aufstellen, erklärt Geschäftsführerin Zülfiye Kaykin. Sie hat Verständnis für den Protest der Frauen. „Es ist gut, dass sie sich öffentlich artikulieren und ihren Unmut äußern.” Große Sorgen, dass die Kurse bald nicht mehr stattfinden werden, müssten sich die Frauen aber nicht bereiten. „Die Kurse werden auch weiterhin im gleichen Umfang wie bisher angeboten”, versichert die Geschäftsführerin der Begegnungsstätte.

Beirat wurde nicht informiert

Einzige Änderung: Die Bildungsbeauftragte Zehra Yilmaz, die entlassen worden oder von sich aus zurückgetreten sein soll, werde ab dem 1. April als Honorar-Kraft die Kurse leiten, heißt es von Seiten der Ditib-Gemeinde. Bis dahin war Zehra Yilmaz fest angestellt. Der Beirat für die Ditib-Begegnungsstätte, in dem unter anderem namhafte Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Gesellschaft sitzen, sei über diese Maßnahme nicht informiert worden. „Ich wusste davon nichts“, so Beiratsmitglied Ulrich Schmitz.

Mehr als 30 muslimische Frauen nutzen derzeit die in der Begegnungsstätte der Moschee angebotenen Integrationskurse, die mehrmals in der Woche stattfinden. Bei den Teilnehmern handelt es sich meist um ältere Frauen, die kaum oder gar nicht Deutsch sprechen können. „Meine Mutter geht drei Mal in der Woche zum Deutschkursus, damit sie endlich auch mal alleine zum Arzt oder Bäcker gehen kann. Bislang benötigte sie dafür immer einen Dolmetscher, weil sie kein Deutsch konnte”, erklärt die in Deutschland geborene Muslimin Anac Gülhanim. Unterstützung in ihrem Protest erhalten die Frauen auch von einigen ihrer Ehemänner. Gegen die mögliche Streichung der Deutschkurse sind bisher mehr als 300 Unterschriften von den Frauen gesammelt worden.


 
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