Duisburg: Ratsentschluss gefährdet Erhalt von Karstadt
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 12.05.2010 - 16:01Ein Ratsbeschluss der Stadt Duisburg gefährdet den Erhalt aller 120 Karstadthäuser in Deutschland. Mehr als 500 Mitarbeiter der insolventen Warenhauskette demonstrierten in Duisburg dagegen.
In den Augen von Ulrike Müller spiegelt sich die Angst um ihren Job wieder. Die Hände der 45-jährigen Karstadtmitarbeiterin zittern ein wenig, als sie vor dem Duisburger Rathaus eine rote Trillerpfeife aus ihrer Jackentasche zieht. „Wenn Karstadt dicht machen muss, weiss ich nicht, was ich machen soll“, sagt sie. „Wie kann die Stadt Duisburg nur so etwas entscheiden, das ist unfassbar."
Flächenbrand in Deutschland
Etwa 500 Karstadtmitarbeiter aus Duisburg, Essen und dem gesamten Ruhrgebiet protestierten am Mittwochvormittag lautstark vor dem Duisburger Rathaus gegen den Ratsbeschluss, die Gewerbesteuer für die Duisburger Filiale im Einkaufszentrum Forum nicht zu erlassen. Denn diese Entscheidung könnte weitreichende Folgen auf alle 120 noch verbliebenen Karstadthäuser in Deutschland und damit 25.000 Mitarbeiter haben. Allein in der Duisburger Filiale sind 200 Angestellte betroffen.
Der Insolvenzplan für das Traditionshaus sieht vor, dass 98 Prozent aller 94 Städte und Kommunen, in denen es Karstadthäuser gibt, auf die Einnahmen aus der Gewerbesteuer freiwillig verzichten müssen.
Einige Kommunen haben ihren Verzicht aber nur unter dem Vorbehalt zugestimmt, dass alle geschlossen mitziehen müssten. Durch den Duisburger Beschluss ist das jetzt nicht mehr gegeben. „Das ist ein Desaster. Das löst einen Flächenbrand in ganz Deutschland aus“, so Henning Lotte, Betriebsratsvorsitzender der Essener Warenhauskette. „Der Beschluss müsse umgehend rückgängig gemacht werden.“ Sollte die Stadt Duisburg ihn nicht zurücknehmen, so trete der Insolvenzplan zur Rettung der Warenhauskette nicht in Kraft und somit auch kein Gläubigerverzicht, so ein Mitglied des Karstadt-Betriebrats. Mehr als 25.000 Angestellte würden ihre Arbeit verlieren.
Kleiner Hoffnungsschimmer
Ein Hoffnungsschimmer für Karstadt: Oberbürgermeister Adolf Sauerland ließ am Mittwoch über seinen Sprecher Josip Sosic verlauten, dass er nach einem Gespräch mit einer Delegation der Demonstranten den Ältestenrat zu einer Sondersitzung einladen werde, um noch mal über die Sache zu beraten.
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